Franz Widmann ist keiner, der sich in den Vordergrund spielt. Vielleicht ist genau das der Grund, warum er seit Jahrzehnten gefragt ist – am Kontrabass, an der Tuba oder am E-Bass. Sein musikalischer Weg ist breit, aber klar geführt: vom ersten Gitarrenunterricht im Alter von acht Jahren über die Tuba-Ausbildung bei Robert Tucci, Finn Schumaker und Tom Walsh, das E-Bass-Studium an der Bass-School-Munich bis hin zu einer jahrzehntelangen Praxis zwischen Blasmusik, Tanzmusik, Volksmusik, Klassik und Jazz.
Text: Sebastian Gröller; Fotos: Heike Fleischmann, Herbert Bungartz
Flexibilität und Verlässlichkeit
Der Kontrabass kam vergleichsweise spät, und zunächst im Jazz. Erst vor rund 13 Jahren stieg Widmann bei den Dellnhauser Musikanten ein und eignete sich dort auch das Bogenspiel auf dem Kontrabass an. »Jazz-Kontrabass und Volksmusik-Kontrabass sind eigentlich zwei verschiedene Instrumente«, sagt er. Das liege nicht nur am Stil, sondern an der Funktion: Während der Jazz-Bass flexibel reagiert, müsse der Volksmusik-Bass vor allem eines sein – verlässlich.
Diese Haltung zieht sich durch sein gesamtes musikalisches Denken. Widmann spielt aktuell unter anderem in der Augustiner Festkapelle, bei den Dellnhauser Musikanten und den Tafern-Musikanten, außerdem in kleineren Besetzungen für Kirchenmusik und Trauerfeiern. Ab und zu springt er als Aushilfe ein, aber gezielt. Ein fixer Termin im Jahreslauf ist die Heilige Nacht in der Allerheiligen-Hofkirche, die er gemeinsam mit dem Schauspieler Enrico de Paruta musikalisch gestaltet – mit Orchester, Solisten sowie Kinder- und Erwachsenenchor. Allein im vergangenen Jahr wurde das Werk 18-mal aufgeführt.
Der Bass trägt, ohne sich aufzudrängen
Neben diesen eher gesetzten Formaten gibt es auch andere Facetten: Mit EM ZWO, einer Tanzband mit Bläsern und Sängerin, steht Widmann am E-Bass auf der Bühne. Der Ableger der Dellnhauser Musikanten spielt zum Tanzen – wie zum Beispiel bei Faschingsbällen in Au in der Hallertau. Tanzmusik ist für ihn ein eigener Kosmos, mit eigenen Regeln. Gerade hier unterscheidet Widmann sehr klar zwischen Tuba und Kontrabass. Mit dem Blech spiele man auf den Punkt, direkt auf die Eins. Der gestrichene Kontrabass hingegen sei minimal früher, ein Hauch vor dem Schlag. Die Tonerzeugung bedarf dabei einer etwas längeren Zeit. Wird der Bogen über die Saite gezogen, braucht es einen Moment, bis die Saite gut ins Schwingen gerät, und den Impuls einer schweren Zählzeit hörbar macht. Dieser Tatsache muss sowohl der Kontrabass- wie auch der Tubaspieler im Rahmen seiner Fähigkeiten Rechnung tragen.
»Beim Tanz spielt man nicht nur der Musik dienlich, sondern den Tänzern«, erklärt er. Bass und Begleitung müssen das Tempo kompromisslos halten; Agogik ist Sache der Melodie.
Bei den Dellnhauser Musikanten wird bewusst nach Noten gespielt – mit Respekt vor der gesetzten Form. Die Bassstimme ist so angelegt, dass sie Sinn ergibt: funktionell, tragend und nicht so auffällig, dass sie dem Gesamtklang im Weg steht, gerade, wenn andere Stimmen sehr präsent sind.
»Wenn der Winter Fritz am Tenorhorn seine virtuosen Läufe spielt, dann brauch ich da nicht auch noch rumdudeln«, so Widmann. Ein guter Bassist falle eigentlich nicht auf. Der Bass sei das Fundament: Er trägt, ohne sich aufzudrängen.
Die fundamentale Freude an der Musik
Doch auch ein guter Bassist kommt manchmal an seine Grenzen. Er fällt nämlich sofort auf, wenn er mal fehlt. Widmann erinnert sich an frühere Zeiten mit den Holledauer Musikanten, als der Akkordeonist Helmut Schranner in schwierigen Solopassagen lachend »Mayday, Mayday!« rief. »Gefährlich«, sagt Widmann, »vor allem dann, wenn man gerade Tuba spielt« – denn Lachen und Blasen vertragen sich nicht besonders gut.
Was ihm an der Musik am meisten Freude mache? »Wenn die Musik gut ist, ist es egal, welches Genre man spielt.«, sagt Widmann. Entscheidend seien das Umfeld und die Stimmung. Immer dasselbe zu spielen, sei ihm zu fad. Heute könne er sich erlauben, das zu tun, was ihm wirklich gefalle – das sei früher nicht immer so gewesen.
Sein Weg durch Volksmusik, Tanzmusik, Klassik und Jazz wirkt deshalb nicht sprunghaft, sondern folgerichtig. Oder, um es in seiner eigenen Logik zu sagen: »Das Fundament stimmt!«
Video: Franz Widmann spielt mit den Dellnhauser Musikanten den Hennensprenger-Galopp.








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