»De andern singan Bass …«

Einige Streiflichter auf eine vermeintliche Nebensächlichkeit

28. Februar 2026

Lesezeit: 11 Minute(n)

Text: Ernst Schusser und Eva Bruckner  Fotos: Fotosammlung ZeMuLi/Bezirk Oberbayern, Blaskapelle Höhenkirchen-Siegertsbrunn e. V., Archiv »zwiefach«

Der Titel ist eine Anweisung von Wastl Fanderl (1915–1991) bei seinen Singstunden, die er als Volksmusikpfleger mit seinem besonderen Charme und unübertroffenem Gespür für Singsituationen in ganz Oberbayern durchgeführt hat. Es waren nicht selten mehr als 100 singfreudige Teilnehmer in Erwartung seiner Persönlichkeit gekommen, die er mit seinem Können zu seiner Art des Volksliedersingens führte, meist in der Dreistimmigkeit seiner Liederblätter, manchmal auch in der überlieferten Zweistimmigkeit. Die Frauen teilte er in hohe und tiefere Stimmen ein, die 3. Stimme sangen die hohen Herrn oder einige Frauen – diese Dreistimmigkeit stand auf den Liederblättern. In den Fanderl-Blättern nicht notiert war der Bass, den er mit der Hand anzeigte, meist zwei oder drei Töne nur, tief halt. Er war sehr zufrieden, wenn ich bei der Liedbegleitung genau diese Basstöne mit der linken Hand mitspielte und damit unsicheren Sängern etwas Halt bot. »De andern singan Bass!« – das waren die meisten Männer. Manchmal sang auch ein Mann in seiner tiefen Stimmlage die Melodie mit, so wie im ganz natürlichen Volksgesang im Wirtshaus. Diesen Schuastabass wollte Fanderl nicht.

»Wenn i koan gscheidn Bass und Nachschlag hör,
dann pfeif i auf de ganze Muse!«

Der Bass ist natürlich keine Nebensache, nichts Unwichtiges – beim Singen und beim Musizieren. Viele Jahre hat Dr. Erich Sepp vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege sich um die melodiebezogene Begleitung mit Bass und Nachschlag bemüht, viele gute Beispiele aufgezeigt und Hinweise auf die überlieferte Spielweise gegeben. Auch in unserer Arbeit am Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern war das Thema Bass und Begleitung sowohl im instrumental-tänzerischen als auch im singerischen Bereich sehr wichtig in der Forschung, Dokumentation, Beratung und Anleitung.

Volksliedpfleger Wastl Fanderl
Erich Sepp publizierte maßgeblich zur melodiebezogenen Begleitung.

Den obigen Spruch hörte ich mehrmals in ähnlicher Weise – und teils noch deftiger im Ausdruck – von alten Musikanten. Nicht selten war es eine Reaktion auf Gruppen in der Volksmusikpflege mit vielen Melodiespielern und einer spärlichen Begleitung (z. B. eine einsame Gitarre). Die Alten kamen meist von der überlieferten Blasmusik, in der die Jungen erst mit mehreren anderen Begleitung spielten, damit sie die inneren Werte eines Stücks, einer Gattung oder der Spielweisen intuitiv erfassten und dann erst zu den Melodiestimmen wechseln durften. Auch manch übertriebene Bass-Läufe vermeintlicher Könner mit virtuosen Anwandlungen wurden mit diesem Spruch bedacht.

Hier sollen nur ganz wenige Hinweise zum Bass in der Instrumentalmusik erfolgen. Trotzdem ist zu erkennen, dass es sich hierbei um keine Nebensächlichkeit handelt. Beim überlieferten auswendigen Spiel lernte man von den alten Musikanten das standfeste Verbleiben bei den Grundbässen mit nur wenigen Zwischentönen. »Spui an richtigen Bass« – war zu hören, »net ummanandafahrn«. Auch in vielen überlieferten Notenhandschriften ganzer Besetzungen (Streichmusik, Blechmusik, Harmoniemusik und Türkische Musik) dominieren die Grundbässe, so auch bei den Notendrucken von Peter Streck (1798–1864) zur Mitte des 19. Jahrhunderts in München. Davon lernten die jungen Militärmusiker, die dann ihre Ortskapellen aufbauten.

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Die Autoren freuen sich über Hinweise, Korrektur und Ergänzungen an den Förderverein Volksmusik Oberbayern e. V., Pfarrweg 11, 83052 Bruckmühl (ernst.schusser@heimatpfleger.bayern).

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Bei den Streichbesetzungen (Eichstätter Geigenmusik, Rosenheimer Tanzmusi, Geschwister Haindl u. a.) ist der Streichbass erste Wahl, so wie früher bei den ländlichen Streichmusiken. Damals hatten es die Bassisten am schwersten bei der Hochzeitsmusik: Für die nachmittägliche Streichmusik mussten sie die Bassgeige dabeihaben, für den Kirchen- und Hochzeitszug und die abendliche Blasmusik brauchten sie den Bombardon. Nach Angaben alter Musikanten war die hölzerne Musi billiger, die Blechmusi teurer zu bezahlen von den Tanzenden oder den Veranstaltern. Derzeit ist der geblasene Bass Favorit bei den Tanzlmusiken. Persönlich finde ich den Streichbass sehr passend, wenn oberlandlerisch aufgespielt wird, mit Landlern und Halbwalzern. Dazu gibt es auch von den Musikanten im Tegernseer Tal Beispiele und Nachrichten aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

Bassinstrumente im Volkslied

Aufgrund der Wichtigkeit vom (instrumentalen) Bass für eine stimmige Musi ist es ganz normal, dass in den Volksliedern auch Bassinstrumente textlich vorkommen. Ohne Wertung bringen wir hier eine kleine zufällige Auswahl (ohne Vollständigkeit) aus unseren Liederbüchern, Sammlungen und Aufzeichnungen in der kleinen Fachbibliothek im Büro vom Förderverein Volksmusik Oberbayern, in denen auch manches Klischee durchscheint. Natürlich kennen viele Volksmusikanten den »wampat Gust mit sein Trumm Bombardon«, wie er in einem Zwiefachenlied der Familie Eberwein aus der Holledau näher besungen wird. Auch Paul Friedl, der Baumsteftenlenz aus dem Bayerischen Wald kommt in seinem Lied Jessas Leit, heit gibts a Muse am Bild des Bombardonisten nicht vorbei:

»Der Schullehrer kratzt die Geign
und der Bader schlagt d’ Gitarr,
und der schönen Zenz ihr Sohn
blast den Bombardon.«

Da wollten auch wir nicht zurückstehen und lassen in unserem Kinderlied zum Stallkonzert vor der Krippe dem Jesuskind mit vielen Instrumenten in ihren typischen Klängen aufspielen:

»5. Schwere Töne tief und langsam
kommen aus dem Bombradon,
und der Esel spitzt die Ohren
bei dem allertiefsten Ton.
(Refr.:)
Auf, stimmet alle lustig ein,
didl didl dei und rum bum bum […]«

Auch die Bassgeige, der Streich– und Zupfbass in verschiedenen Größen und Formen ist in manchem Gstanzl vertreten, oft auch mit menschlichem Bezug:

»Alte Dudlgeign, alte Baßgeign,
in da Weanastadt, da steht a Keglscheibm,
hab i einegschobn, is stecknbliebm,
in da Weanastadt, da steckt a drinn.«

[Aufzeichnung Zoder, 1906/1907, bei Frau Käthe Wild, Heiligenkreuz/Böhmerwald; Zeitschrift Das deutsche Volkslied, Wien 1924, S. 19.]

Es muss wohl ein verbreiteter Textanfang gewesen sein, weil Albert Brosch einen ähnlichen Vierzeiler auch im Egerland festhält, mit musikalischem Inhalt. Ich zitiere aus der Erinnerung von meinem Vater Ernst Schusser (Altwasser, Egerland):

»Uhna Fidlbogn, uhna Baßgeign,
uhna Händ koa ma niat Keglscheibm.
koa Musi ham ma niat ghatt,
ham ma mitn Spinnradl Musi gmacht.«

[Handschriftliche Sammlung Brosch Der Liederschatz des Egerlandes, Abschrift, Faksimile Seff Heil 1986, Band 4, S. 203.]

Die Fischbauauer Tanzlmusi mit Tuba.

Der Text-Typ findet sich auch in den Aufzeichnungen von Dr. Josef Pommer (1845–1918) Turracher Lieder, weitergeführt mit bekannten Gsangln wie »Warst net auffi gstiegn, warst nit obi gfalln …«:

»Langer Fiedelbogn, kurze Baßgeign
bei da Wand is guat Keglscheibn.
Koane Musikantn habn mer a nit ghabt,
habn mitn Spinnradl aufgmacht.«

[Schwarz/Seidl, Steirische Volkslieder, Graz/Wien 1981, S. 160.]

Und Harald Dengg hat für die Salzburger Heimatpflege in den 1970er-Jahren daraus gemacht:

»Ohne Fidlbogn, ohne Baßgeign,
ohne Kugl is koa Keglscheibn,
koane Musikantn habn ma ghabt,
habn mitn Spinnradl aufgmacht.«

In der älteren Überlieferung kommen Varianten dieses Verses vielfach und regional unterschiedlich vor. In meinen Feldforschungen bei vor den 1930er-Jahren geborenen Gewährspersonen habe ich die Kombination Fidelbogen – Baßgeige mehrfach im Chiemgau festgestellt – in der Gegenwart scheint dieser Vers vergessen zu sein.

Gut erinnern kann ich mich an Vierzeiler aus der Sammlung von Gustav Jungbauer (Volkslieder aus dem Böhmerwalde 2, Prag 1937), die wohl bei geselligen Treffen der Bekannten und Verwandten meiner Mutter Anna Schusser (geb. Seidl, aus Neumark, Böhmerwald) in ihrer neuen Heimat Bruckmühl in ähnlicher Weise gesungen oder als Sprücherl aufgesagt wurden, z. B.

»Da Schneida vo da Alm
is in Baß einigfalln,
gschiacht eahm scho recht,
vo wa tanzt er so schlecht.«
[Slg. Nr. 2892]

»Da Hansl vo da Gruab
hat an grean Huat.
Er setzt’n ner af,
wenn er Bassgeign tuat.«

»Da Baß hängt im Stüwe,
da Mou scheint eahm dra,
jetz fangt halt mei Büawe
zun Baßgeign a.«
[Slg. Nr. 2441/2442]

In vielen weiteren Schnaderhüpfln und auch Unsinnsversen wird der Bass, oder die Bassgeige erwähnt. Das könnte u. a. belegen, wie verbreitet und wichtig das Instrument für die dörfliche Gemeinschaft und deren Tanzmusik war. Auch in Kinderliedern und Krippengsangln wird das Instrument zitiert, z. B. bei der Hirtenmusik vor dem Jesuskind (Slg. Eichenseer, Slg. Scheierling, Slg. Bresgen):

»Friedl blas den Dudelsack…
Gottfried laß den Baß erklingen…«

»Nehmet die Pfeifen,
den Baß tut streichen.«

»Sag eahm, daß er gschwind hoamspringt
und sein alte Baßgeign nimmt.«

Die Nennungen des Instruments wären beliebig fortzusetzen, besonders wenn man die Lieder betrachtet, in denen viele Instrumente aufgezählt und nachgemacht werden (z. B. Ich bin ein Musikante). Da wird gereimt z. B.:

»Der Herr Geier,
der war damals Baßgeiger«

Und wer kennt sie nicht die drei Chinesen mit dem Kontrabass? Bei Liedern über Bauernhochzeiten, auswärtige und wandernde Musikanten, Konzertbeschreibungen, beim Maitanz und in Tanzspielen für Kinder hat der Bass in unterschiedlichen Formen seinen Platz. Auch im (Kinder-)Lied Die lustige Familie (Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, Liedblatt 72) erklingt der »große Kontrabass« im lustigen Zusammenspiel – ebenso im Zwiefachen Ober nein mou mer sein, in dem zu Klarinette, Trompete und Horn natürlich der Bass dazu spielt (Slg. Eichenseer 1985 bei den Neukirchner Sängern in der Oberpfalz).

Besonders typisch wird der Bassgeiger in einem langen Lied Der klagende Chorregent beschrieben, das Wastl Fanderl aus einem um 1850/1860 geschriebenen Liederbüchl aus Böbrach/Schwaben veröffentlichen durfte. Seine Frage, wer das Lied kennt und etwas dazu sagen kann, blieb von der Leserschaft unbeantwortet (SMZ 18. Jg., München 1975, S. 99).

»6. Vom Baßgeiger bin ich stilla,
denn er ist nach meinem Willa,
bleibt er manchmal etwas hint’,
sagt er nur: Der Takt is z’ gschwind!«

Die Riederinger Sänger

Zweistimmigkeit

Eine ganz besondere Rolle spielte der Bass bei den ganz kleinen Besetzungen mit ein oder zwei Melodiestimmen. Die Seminaristen in den (musikalischen) Klosterschulen (z. B. 18. Jahrhundert in Weyarn) lernten für kirchliche und weltliche Zwecke verschiedene Klein-Besetzungen, da es auch um den finanziellen Lebensunterhalt bei Nebenerwerbsmusikanten ging: Da spielte der Bass eine wesentliche Rolle und passte sich dem Musizierstil an. Im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern hatten wir zahlreiche Musikstücke für religiöse Zwecke oder zur festlichen Darbietung in der Kleinbesetzung aufbereitet für zwei Melodieinstrumente und einen angepasst beweglichen Bass: Menuette, Liederweisen, Allegretto, Adagio, Presto, Pastorellen usw.

Beim Volksgesang zu religiösen Gelegenheiten ist die Zweistimmigkeit (mit Bass ad lib.) teils schon vor 1800 (vgl. Landshuter Gesangbuch) dokumentiert. Die Kirchensinger in den kleinen Dorfkirchen sangen wahrscheinlich auch zweistimmig mit (beweglichem) Bass – so könnte man aus der Sammlung von August Hartmann (1846–1917) und Hyacinth Abele (1823–1916) für das südliche Oberbayern, Tirol und Land Salzburg schließen. Diese Singform ist auch für die Gegenwart interessant: Bei immer mehr (Kirchen-)Chören werden es immer weniger Männer. Zu der Zweistimmigkeit der Frauen passt sehr gut eine bewegliche Männerstimme in Bassfunktion. Das klingt sehr ansprechend und ist eine Alternative zur engen alpenländischen Dreistimmigkeit mit hoher Männerstimme.

Gerade auch im ganz natürlichen ungepflegten zweistimmigen Volksgesang am Stammtisch, im Wirtshaus, unter Freunden und in Geselligkeit ist ein frei intonierter Bass willkommen. Da darf es natürlich auch ein Schuastabass sein mit (teilweiser) Oktavierung einer Melodiestimme. Es entstehen damit wunderbare Klänge, die in keinem Aufnahmestudio erzeugt werden können. Viel Freude gibt es in diesen Runden auch bei Liedern, in denen im Bassregister der »Schmied unterm Tisch« oder die Trinker »im tiefen Keller« besungen werden. Einen wunderbar-besonderen Klang im Freien konnten wir vor Kurzem beim Sternsingen von 10 Erwachsenen von Haus zu Haus erleben!

»Hintn bei der Stodltür,
sitzt an alter Muskatir,
spielt auf seiner Baßgeign auf,
hat kan Soatn drauf.«

So heißt es in einem überlieferten Schnaderhüpfl, das Karl Liebleitner 1930 bei Frau Domschitz aus Mattersburg aufgezeichnet hat (Zoder/Klier, 30 neue Volkslieder aus dem Burgenlande, Wien 1931). Wastl Fanderl hat daraus ein heute weitum bekanntes Liadl gemacht, das mittlerweile in manchen Orten den Weg vom Volksliedpflege-Gesangsgruppen-Vorsinglied in das von vielen gemeinsam gesungene Repertoire gefunden haben dürfte.

Die vier vom Gamsstadl

Volksgesangsgruppen mit Bass

Haben einige Sängergruppen, die sich 1930 zum Preissingen vom Kiem Pauli (1882–1960) in Egern am Tegernsee meldeten, zweistimmig mit Bass gesungen – bald schon war diese Singform in der beginnenden Volksliedpflege out. Kiem Pauli favorisierte ab ca. 1932 die in Oberbayern neue dreistimmige Singweise nach Aufzeichnungen aus dem Schneeberggebiet nahe Wien. Er fügte die Zweigesänge Sontheim-Burda und Treichl-Vögele zu einer dreistimmigen Mustergruppe mit Bass zusammen, die bei seinen Volksliederabenden im Oberland und im weiteren Umfeld auftraten. Bei den erhaltenen Tonaufnahmen ist die Bassstimme von Lois Treichl (Oberaudorf) technisch bedingt nur sehr schlecht zu hören.

Diesem Vorbild eiferten viele Männergesänge nach, so auch die Riederinger in den 1930er-Jahren. Manche dieser neuen Gruppen kamen auch aus dem Chorsingen – manche galten als Natursänger. In den 1950er-Jahren war Fanderl mit seiner Gruppe Die Vier vom Gamsstadl von Bergen aus (und über Studioaufnahmen im Bayerischen Rundfunk) Vorbild für viele andere im Land. Männer-Viergesänge in enger Dreistimmigkeit mit Bass gab es in unterschiedlichen Formationen. Die Dreigesänge von Frauen und Männern (ohne Bass und tiefen Grundton) entwickelten sich teils in andere Klangvorbilder – das wäre aber eine andere Geschichte.

Im Volksmusikarchiv vom Bezirk Oberbayern haben wir neben den Riederinger Sängern und Die Vier vom Gamsstadl Dokumentationen u. a. von und mit den Dietlhofer Sängern, den Zandter Sängern, den Schanzern aus Ingolstadt, den Menzinger Sängern gemacht. In besonderer Weise sind die Inntaler Sänger mit dem ultra-tiefen Bass vom Haschbichler Koni vom Samerberg im Gedächtnis! Die Rohrdorfer Sänger haben für das Volksmusikarchiv viele geistliche Lieder aufgenommen, bei denen der tiefe Bass sehr prägnant war, so wie beim fast mozartisch anklingenden weihnachtlichen Hirtenlied Holla, Hiasl, Jackl, Steffl! aus der Sammlung Hartmann/Abele.

Selbstverständlich sind auch Gruppen mit zwei Frauenstimmen und zwei Männerstimmen in der Volksliedpflege vertreten. Sie kommen eher aus dem Chorsingen, hier ist die Bassführung in der Regel (angenähert) der klassischen Satzlehre entsprechend – aber nicht bei allen. Ein Beispiel:

Beim Kinderpreissingen vom Kiem Pauli und Hauptlehrer Hans Kammerer 1936 in Burghausen waren auch die vier Geschwister Köppl aus Marktschellenberg als zweistimmige Gesangsgruppe (Nannei, Kathei und Hansi in der 1. Stimme und Maridi 2. Stimme) dabei. In der Volksschule hatte der Lehrer eine Singschar beieinander, die auch bei den Gelegenheiten der NS-Kulturorganisationen (u. a. Volkssender-Ausscheidungssingen Volk singt für Volk im Reichssender München) und von KdF mitwirkten. Nach dem Krieg kam der Köppl Hansi in den Stimmbruch und sang mit seinen drei Schwestern nun im Viergesang der Geschwister Köppl einen bewegten Bass. Auch die grenznahe Salzburger Singgruppe der Geschwister Klappacher (2 Frauen, 2 Männer) hatte mit dem Klappacher Toni einen Bassisten, der einen freien Bass bevorzugte, gelegentlich nach Art vom Köppl Hansi.

Dazu wären noch viele Beispiele und Details zu ergänzen. Hier soll aber diese Darstellung genügen und zum Weiterdenken anregen. Mit ein paar weiteren Liedtextbeispielen zum vokalen Bass sei dieser Exkurs abgeschlossen.

Wohl auf der Alm, juchhe! Aus dem Leibhaftigen Liederbuch.

Der Bezirks-Volksmusikpfleger Wolfgang Scheck hat für seine dreistimmigen Singstunden in den 1980er-Jahren aus Südtiroler Quellen ein Lied mit dem Titel Die Chorprobe, später dann Die Sarntaler Chorprobe, auf Liederblättern unterschiedlich hergerichtet. Scheck nutzt eine 6-strophige Aufzeichnung aus Reinswald, Durnholzertal, vorgesungen 1940 von der Hofmännin und 1962 von der Obermoarin aus einer Liederhandschrift (Sammlung Quellmalz, Nr. 148). In den Strophen 1 bis 3 geht es um Probleme mit Sopran, Alt und Tenor. Dann heißt es:

»4. Aufn Baß kann ma si net verlassn,
er singt allweil hoach über die Maßen,
diam hat er koan Baß,
weil eahm d’ Gurgl zweng naß.«

Die Getränke sind beim Singen bis heute wichtig. Nicht immer waren die Bassisten wohl hochmusikalisch, das kann man einer anderen Liedaufzeichnung, wieder aus Südtirol, entnehmen. Es geht um die Verkündigung des Engels an die Hirten anlässlich der Geburt des Jesuskindes. In einem Hirtenlied aus Deutschnofen heißt es da nach dem lautstarken Gloria in excelsis schreien wie in einer szenischen Krippendarstellung:

»3. Und dort oben auf der Seite
singt jetzt langsam einer Baß:
mei, was soll das Ding bedeuten,
sag mirs, lieber Nachbar Max! …«

[Quellmalz „Südtiroler Volkslieder“ 1976, Nr. 120 II]

Die Tiroler werden vielfach als gute Sänger angesehen, vielleicht spielen da die seit dem frühen 19. Jahrhundert herumziehenden Sängertruppen eine Rolle. Eine süffisante Beschreibung der Tiroler Sangeskunst hat Lina Stangassinger (Hofschaffer Linerl) 1911 in Berchtesgaden in ihre Liederhandschrift übernommen beim Lied Kloane Kugein giaßn:

»5. In Tirol da drinna
könnas aa schön singa,
krahn hochmächti aufa,
kennas kam daschnaufa,
und da Schuastabaß,
der sauft dazua 6 Maß,
nachat sans erst schön,
de tiafn Tön.«

Einen ähnlichen Text bringt schon Werkmeister beim Lied s Gamsgebirg (Oberbayerische Volkslieder, Miesbach 1893, Nr. 59).

Volksliedsammler Dr. Gustav Jungbauer (1886–1942)

Der Kiem Pauli veröffentlicht ein Lied (Sammlung Oberbayrischer Volkslieder, München 1934, aufgezeichnet in Kirchsteig am Irschenberg 1929), in dem sich zwei Männer über ihre Frauen unterhalten. Der eine ist hochverliebt, der andere weniger und bringt einen uncharmanten Vergleich:

»De Mei is musikalisch guat,
weis grad als wia a Baßgeign tuat,
ja brumma tuats den ganzn Tag,
ja wia i sag!«

Des Öfteren wird der gesungene Bass in österreichischen Aufzeichnungen mit einem brüllenden Stier in Verbindung gebracht. Fanderl bezieht sich im mit List und Schmidkunz 1938 herausgegebenen Leibhaftigen Liederbuch beim Lied Wohl auf der Alm, juchhe! auf eine Überlieferung 1906 aus dem Pinzgau, abgedruckt im 11. Jahrgang der Wiener Zeitschrift Das Deutsche Volkslied, in der Singpraxis verbreitet von Helmut Pommer:

»1. Morgens in aller Fruah
sing i der Alma zua,
Sekund läut’ die Glockenkuah,
da Stier brüllt n Baß dazua. […]«

In späteren gedruckten Sammlungen der österreichischen Volksliedpflege (z. B. Viktor Zack 1946 oder Kotek/Zoder 1948) findet sich dieser Text ebenso wieder. Das Stier-Motiv bringt Zack (Volkslieder und Jodler aus dem obersteirischen Murgebiet, Leipzig 1927, Nr. 4) im Lied Auf der Alm in einer Aufzeichnung von 1875 »gesungen vom blinden Trommler Schwaiger« in der 2. Strophe:

»Die Gloggn tuat schein sumpern,
glei wia die Glogg-kuah lait,
der Stier, der gibb en Baß dazua
und brummlt alle Zeit.«

Nicht der Stier ist im Lied Kimmt daher die Wintazeit von Wastl Fanderl aus den 1950er-Jahren über das Eisstock-Schiaßn für den Bass zuständig (vgl. Fanderl-Liederbogen, Lied 52):

»3. Schiaßzeit is, wia’s Weda mag,
meistns am Stefanitag.
Auf d’ Mittagzeit werd vergessn,
d’ Hausfrau wart dahoam mit’n Essn,
doch da Moar schreit mit sein Baß:
›Schneidamanndl, no a Maß!‹«

Kein Wunder, dass die Männergesangsgruppen die letzte Zeile im Bassregister singen.

Abschied

Kommen wir zum Schluss, zum Abschied. Auch da spielt der Bass textlich eine Rolle. Im Lied Nr. 1789 (Erk-Böhme Deutscher Liederhort 1894) heißt es in einem Handwerksburschen-Abschied (nach Flugblattdruck um 1800/1810, Wien oder Nürnberg):

»5. Gute Nacht, ihr Baß und Geigen:
Jetzt müßt ihr alle schweigen,
Jetzunder muß ich fort, […]
Wohl an einen fremden Ort.«

Und in der Sammlung von Jungbauer/Horntrich (Die Volkslieder der Sudetendeutschen, Kassel 1938, Nr. 9) wird zum Faschingsbegräbnis (Brauchaufzeichnung 1932 in Poschkau bei Bodenstadt) der Bass eingegraben:

»1. Der Faschingsdienstag ist vorbei!
Er endet mit sehr großem Leid.
Ist der Begräbnistag vom Baß,
da werden unsre Augen naß.

  1. Ihr Freunde, weint alle sehr,
    denn unser Baß, der lebt nicht mehr!
    Drum singen wir den Abschiedschor
    und Kloß Franz, der singt den Tenor.«
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Aufmacher:
Die Teisendorfer Tanzlmusi mit Kontrabass.

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