Text: Johannes Heigl
Abschied. Ein Wort, das viele Bedeutungen haben kann und gleichzeitig verschiedenste Assoziationen in uns auslöst. Abschiede können – bei potenzieller Wiederkehr – schön sein, und uns doch gleichzeitig emotional verletzen. Unabhängig davon, wer oder was verabschiedet wird, ein Kapitel endet damit zumindest. Nicht nur aus diesem Grund ist die Universalie Abschied in unserem Alltag gegenwärtig.
Der Gesangs- und Orchesterverein Sulzbach-Rosenberg, der sich im Jahr 1847 gründete, musste im Laufe der Corona-Pandemie ebenfalls Abschied nehmen. Nach über 150 Jahren aktiven Musizierens und Singens löste sich der Verein auf. Schon die Festschrift zur 950 Jahr-Feier, im Jahr 1976, der Stadt spricht vom Verein als älteste, noch aktive musikalische Institution. In Chroniken finden sich zudem Berichte, die den Chor vor Bismarck singend, oder an der Prinzregentenfeier teilnehmend beschreiben.1 Der musikalische Nachlass des Vereins ging im Jahr 2024 an das Oberpfälzer Volksmusikarchiv, wo der Autor dieses Beitrags damit beschäftigt ist, diesen zu erfassen und auszuwerten. Während dieser Prozess zwar noch nicht vollends abgeschlossen ist, so macht sich dennoch eines bemerkbar: Das Thema Abschied spielt auch eine Rolle im Repertoire des Vereins – besonders in den Chorstücken und Liedern.
Melancholie begleitet das Thema Abschied in der Musik
Morgen will mein Schatz verreisen zum Beispiel, von Quirin Rische (1903–1989), handelt vom Abschied zweier Liebender, der durch Wanderschaft oder vielleicht auch Wehrdienst getätigt werden muss(te). Schwungvoll und Marsch-anmutend treiben die Strophen vor sich hin, mit gelegentlichem Ausblick auf ein potenzielles Wiedersehen. Felix Mendelssohn Bartholdys (1809–1847) Der Jäger Abschied kontrastiert in gewisser Weise die Aufbruchsstimmung des vorangegangenen Stücks. Nachdenklich und melancholisch nimmt der Chor die Sicht eines Jägers ein, der, zugleich die Schöpfung dessen lobend, dem Wald lebe wohl sagt. Offen bleibt hierbei, ob es sich um einen Abschied temporärer oder endgültiger Natur handelt. Nochmal um eins getragener und melancholischer kommt Abschied hat der Tag genommen von Victor Nessler (1841–1890) daher. Ende des 19. Jahrhunderts komponiert (die Text-Schöpfung ist schwieriger zu datieren), stellt es ein Lied des Abschieds dar, das den Eindruck erweckt, ein später Biedermeier-Ausläufer zu sein.
Der Deutsche Sängerbund gab immer wieder, für die in ihm organisierten Sängerkreise und Vereine, wie dem aus Sulzbach-Rosenberg, Liederblätter heraus. Im vorliegenden, vom Verein auf den 12.3.1935 datierten Liedblatt des DSB – Blatt 61, findet sich eine Version des deutschen Volksliedes das auch unter Da droben auf jenem Berge bekannt ist, hier jedoch in verkürzter Version nur Abschied genannt wird. Der sich hierauf befindliche Stempel des Vereins spricht noch vom Gesangs- und Orchesterverein Sulzbach i. O., obwohl – laut Datierung – die von den Nationalsozialisten unter Kreisleiter Paul Arendt erzwungene Fusionierung von Sulzbach und Rosenberg zu Sulzbach-Rosenberg, bereits ein Jahr zurückgelegen haben dürfte.2
Der Verein prägt das gesellschaftliche und kulturelle Leben
Der schiere Aufwand, den die Mitglieder zum aktiven Leben und Funktionieren des Vereins auf sich nahmen, wird zudem durch – im Übrigen auch damals schon urheberrechtlich problematisch – das handschriftliche Kopieren der Partituren deutlich.
Musikalische Stücke wurden aber nicht nur reproduziert, sondern entstanden auch originär im Umfeld des Vereins. Franz Kottek aus Sulzbach-Rosenberg, der nach aktuellem Recherchestand ab 1976 Kreis-Chorleiter des Sängerkreises Hersbruck war, schien in und für Sulzbach-Rosenberg musikalisch zu wirken. Aus der bereits zuvor erwähnten Festschrift der Stadt geht hervor, dass er die Leitung des Gesang- und Orchestervereins von 1962 an innehatte. So fand sich bisher im Nachlass auch eine Rechnung bzw. Bestellung von Partituren an seine Privatadresse. Im Archivkarton Nr. 8, unweit entfernt von Werken wie dem Sulzbacher Altstadtfest und dem Sulzbacher Lied findet sich auch eine von Kottek bearbeitete bzw. gesetzte Version des Stücks Zum Ausklang des Komponisten Albrecht Rosenstengel (1912–1995).
Nach gut 150 Jahren nahm auch das Vereinsleben des Gesang- und Orchestervereins Sulzbach-Rosenberg seinen Ausklang. Vielleicht leistete auch er seinen Beitrag zur scheinbar regional verbreiteten, bereits zuvor vom Stadtmagistraten aus Amberg kritiserten: »Genuß- und Vergnügungssucht, welche in den Vereinshäusern – katholischen wie protestantischen – nicht nur an Sonn- u. Feiertagen, sondern auch an Werktagen durch Aufführung von Theatervorstellungen u. Abhaltung von Unterhaltungen aller Art großgezogen würde.«3 Auch wenn mit ihm vielleicht ein Stück musikalischer Stadtgeschichte gestorben ist, so hat er das (kulturelle) Leben der Ortschaften doch zumindest für die Dauer des eigenen saeculums geprägt.
Aufmacher:
Anmerkungen:
- Heimbucher, Oswald: Kulturleben in Sulzbach-Rosenberg, in: Festschrift zur 950 Jahrfeier der Stadt Sulzbach-Rosenberg, hrsg: Stadt Sulzbach-Rosenberg, Regensburg 1976, S. 61.
- Hartmann, Johannes: Geschichte, in: Stadt Sulzbach-Rosenberg: Geschichte weitere Stadtteile, https://www.suro.city/freizeit-und-gaeste/geschichtliches/geschichte-weitere-stadtteile/ (Stand: 2025, zuletzt aufgerufen am: 17. 9.2025).
- Stadtmagistrat Amberg: zitiert nach: Müller, Gerhard: Vereine, Parteien und Gewerkschaften in Sulzbach-Rosenberg vor 1918, in: Eisenerz und Morgenglanz – Geschichte der Stadt Sulzbach-Rosenberg, Band 1, Amberg 1999, S. 323.
Weiterführende Literatur:
- Künneke, Burkhard: Der Deutsche Sängerbund. Entstehung, Entwicklung und Stellung in der heutigen Gesellschaft, Frankfurt am Main 1978.
- Stadt Sulzbach-Rosenberg: Eisenerz und Morgenglanz – Geschichte der Stadt Sulzbach-Rosenberg, Amberg 1999.
![Von der 125-Jahr Feier des Vereins (1972) [aus: Heimbucher, Oswald: Kulturleben in Sulzbach-Rosenberg, in: Festschrift zur 950 Jahrfeier der Stadt Sulzbach-Rosenberg, hrsg: Stadt Sulzbach-Rosenberg, Regensburg 1976.]](https://zwiefach.de/wp-content/uploads/07-125JahrFeier_edit_upscayl_2x_remacri-4x_web.jpg)




![Der Chor des Gesang- und Orchestervereins Sulzbach-Rosenberg, ca. Mitte der 1980er-Jahre [aus: Brusniak, Friedhelm: Das große Buch des fränkischen Sängerbundes, 2. Teil, München 1991.]](https://zwiefach.de/wp-content/uploads/02-ChorMitte80er_edit_web.jpg)




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