Text und Fotos: Gisela und Herbert Pöhnl
Der Wecker klingelt unnachgiebig und Franz stellt sich wieder der Realität. Das Kreuzfahrtschiff schwimmt ruhig, wie immer, und wie immer ist es gestern spät geworden für den Schlussakkord. Wie immer hat er viel mit seinem Kontrabass gespielt, hat nicht nur Wasser getrunken, die stets gleichen Fragen und Komplimente ausgehalten, spezielle Publikumswünsche erfüllt von Jazzstandards über Oldies bis Schunkelnummern.
Franz spielt mit seinem Bass alles und hält die Band zusammen, beim nachmittäglichen Kaffee-Schmäh-Programm nach Wiener Art, beim abendlichen Dinner mit Tanz und einigen After-Show-Überraschungen, alles wie gestern und vorgestern, wie immer. Schwieriger sind die Themenabende, schnell muss sich die Band auf einen Mexiko-Sound einstellen, auf ein Country-Rodeo-Lagerfeuer-Event, auf den Seniorenabend mit böhmischer Musik oder einer Prosit-Stimmung mit bayerischer-Bierzelt-Simulation. Immer hat er dafür einen Sombrero, einen Colt mit Halfter, eine Langhaar-Perücke für die Rock-Session und eine Lederhose mit Sepplhut im Gepäck.
Sein Kontrabass ist toll, jeden Tag liefert Franz damit einen Teppich aus wärmenden und verbindenden Tönen und Akkorden. Er dirigiert die Stücke aus dem Hintergrund, er ruft die Solis seiner Kollegen ab und gelegentlich spielt er ein eigenes. Für Franz ist der Bass ein stabiler Partner, einer zum Festhalten mit seinen zwei Metern, für die Mitmusiker ist er Orientierung.
Irgendwann endet jede Schicht. Noch ein Drink, ein Abklatschen, dann schnell einschlafen. Und nicht albträumen, wie häufig, nicht Franzl, Fränkiboy, František, Francesco oder Francis sein, oder gar der Disc-Jockey bei der Tombola mit Rave-Party oder am Pool bei den Verkaufsveranstaltungen.
Vormittags ist Franz alleine, er nutzt die Zeit für Dialoge mit seinem Instrument und spürt den Sound im Magen, beruhigend, motivierend, kraftvoll, warm. Dann sehnt er sich in einen kleinen Jazzclub irgendwo. Wo er eher unauffällig, aber unverzichtbar das Gerüst der Musik bildet. Dann wirkt sein Bass wie ein stiller Wächter, wie ein Teppich, auf dem die Melodien tanzen wie ein gutmütiger Riese, der nur spielend Eindruck machen will.
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