Eine kulinarisch-musikalische Reise

Wenn die Hofmarkmusik probt, geht es geschmack- und gehaltvoll zu

16. Januar 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

.Text: Rita Brunner und Hartmut Betz Fotos: Barbara Würmseher, Christian Neubauer

Wenn man bei Hofgärtners in Gempfing zur Haustüre hineingeht, wendet man sich sofort nach links in die Küche. Der erste Blick fällt auf das Backrohr. Da brutzelt vielversprechend ein Braten oder eine andere Leckerei – wie immer, wenn Probe ist bei der Hofmarkmusik

Zum Einspielen gibt es oft ein kleines Gläschen Sekt von Hofgärtners Hausmarke oder eine Kaffeespezialität nach Wahl – die Probe kann beginnen. Auf dem Menüplan stehen regionale Schmankerl und auch internationale Spezialitäten. Küche und Repertoire der Hofmarkmusik kennen keine Grenzen, alles, was schmeckt und gut klingt, wird verwertet. Doch wer sind diese fünf Musik-Gourmets?

Fünf geschmackvolle Musikanten

Da ist Hannes Schmauch, leidenschaftlicher Kontrabassist in Volksmusik, Jazz und Klassik, Entenzüchter, Eierlikörproduzent und als Mittelfranke auch Lieferant herrlicher fränkischer Bratwürste. Aus dem nördlichen Oberbayern, dem Spargelland, kommt die Geigerin Rita Brunner, ebenfalls gerne unterwegs in verschiedenen Stilrichtungen und Menükarten, Lieferantin von Schrobenhausener Spargel und Mitglied der Kabarettgruppe Spargelspitzen. Auch Klarinettist Hartmut Betz aus Nördlingen schaut musikalisch und kulinarisch gern über den Tellerrand, spielt zudem Bassklarinette, Sopransaxofon, improvisiert begnadet und bringt aus dem Ries mal feine Destillate, mal ein paar frisch arrangierte Schweinauer (Rieser Zwiefache) mit. Aber auch exquisites Olivenöl aus Kreta und dazu passende Musikstücke aus dem Balkan hat er im Gepäck. Und dann ist da natürlich das Ehepaar Hofgärtner: beide vielseitige Musiker, Chorleiter und -sänger, Lehrer und Gastgeber aus Leidenschaft, sei es bei den Veranstaltungen im Pfarrhof Gempfing oder bei ihnen daheim. Angela spielt bei der Hofmarkmusik die Harfe und beherrscht alle Register der regionalen und internationalen Küche. Erich spielt diatonisches Hackbrett und bietet im Sommer nach der Probe als Grillmeister gern gegrillte Schmankerl. Dazu hat er als Biersommelier eine beeindruckende Auswahl an gepflegten Bieren parat. Da wird dann schon mal bei Tisch gefachsimpelt über die Vorzüge regionaler Brauereien und heimischer Biersorten, die man aber leider oft wegen der Heimfahrt nicht gleich genießen kann.

___STEADY_PAYWALL___
Hofmarkmusik

Bayrisch und weltoffen arrangiert

Aber nun zur eigentlichen Probe: Auf dem Programm stehen natürlich Spezialitäten aus der Region zwischen Oberbayern, Franken und Schwaben, oftmals aus alten Handschriften von Oettingen bis nach Aichach, köstlich arrangiert von Hartmut. Auf Reisen hat er oft die besten Ideen. So entstand beim Törggelen in Südtirol an einem verregneten Herbsttag sein Ultentaler Walzer. Aufgelockert und gewürzt wird die Probe immer wieder mit einem Witz aus dem Off von Kontrabassist Hannes.

Aber immer geht die musikalische Reise auch weiter in andere Länder. Nach dem Motto »von Obstler bis Ouzo, von Whisky bis Wodka« spielt man gerne Musik aus Irland, Schweden, Finnland, auch aus Frankreich und dann weiter rund ums Mittelmeer bis hin zum Südosten Europas. Passend zum griechischen Tanz Syrtos gibt es bei Gelegenheit eine Mussaka, die auch in Griechenland nicht griechischer schmecken könnte.

YouTube

Hofmarkmusik - Zemer Atik

Wirtshausmusikanten | BR

Klezmer, Knödel und ein Leuchten in den Herzen

Kurzer Zwischenstopp: Mitten in der Probe springt Angela auf, sie muss nach den Knödeln schauen.

Eine besonders feine Spezialität ist die Klezmer-Musik, die der Hofmarkmusik sehr am Herzen liegt, seien es Stücke zum Beispiel aus der Ukraine oder natürlich aus Israel. Beim internationalen Folklore-Festival in Rumänien, an dem die Hofmarkmusik 2017 teilgenommen hat, war Hartmut besonders beeindruckt von dem ungarischen Ensemble. Davon inspiriert hat er ein Medley aus ungarischen Csárdás-Melodien der Hofmarkmusik auf den Leib geschrieben. Und welcher Titel wäre passender als Csárdás-Gulasch?

Wobei wir wieder beim kulinarischen Teil wären: Ein sicheres Zeichen für das herannahende Probenende ist der Speichelfluss des Klarinettisten, wenn die Bratendüfte nun allzu verlockend herüberwehen. Noch schnell die Polka in rasantem Tempo zu Ende gespielt, dann geht nichts mehr und es heißt: »Essen ist fertig!«.

Und wie es früher bei Bauernhochzeiten üblich war, bekommt man beim Heimgehen, falls noch etwas vom Essen übrig ist, für die Daheimgebliebenen ein Bschoad-Diachl oder in heutiger Form eine fein gefüllte Tupperdose von Angela in die Hand gedrückt.

Essen, Trinken und Musizieren halten halt Leib und Seele zusammen, getreu nach dem Text der israelischen Melodie Zemer Atik: »When we raise our glasses with a friend our eyes will be as bright as our hearts«.

Rezepttipp: Schweinebraten spezial Hofmark:

Bratenfleisch zwei Tage vorher würzen, dann vier Stunden bei 140° im Ofen braten, in der letzten halben Stunde auf 200° hochdrehen. Bratenaufguss ausschließlich mit zwei Flaschen Wettelsheimer Märzenbier!

Musik zum Menü

Die Hofmarkmusik hat bis jetzt drei CDs produziert: Uffdaddlda, Servus Europa und Bunteland. Jeweils mit Musik aus der Region und aus verschiedenen Ländern.

Aufmacher:
Ente

Foto: Barbara Würmseher

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Werbung

L