Text: Sebastian Gröller Fotos: StMFH / Christian Blaschka
Was wäre Bayern ohne seine Wirtshäuser? Orte, an denen man sich trifft, lacht, singt, musiziert und wo’s einfach schee is. Doch dieses Stück Alltagskultur ist bedroht: Das Wirtshaussterben greift seit Jahren um sich. Genau diesem Trend wollten einige findige Köpfe in der Oberpfalz Mitte der 1990er-Jahre etwas entgegensetzen und legten damit den Grundstein für eine bayernweite Erfolgsgeschichte. Im Jahr 1996 wurde im Bezirk Oberpfalz als erstem Bezirk Bayerns die Aktion Musikantenfreundliches Wirtshaus ins Leben gerufen. Sie feiert also 2026 ihr 30-jähriges Jubiläum.
Musizieren wie es früher war
Anstoß gab damals ein Vortrag des ehemaligen Bezirksheimatpflegers der Oberpfalz, Franz Xaver Scheuerer, über die kulturelle und soziale Funktion der Wirtshäuser und über ihr allmähliches Verschwinden. Inspiriert von ähnlichen Projekten in der Steiermark und anderen österreichischen Regionen entstand die Idee: Wirtinnen und Wirte sollen wieder Musikantenfreundlichkeit zeigen, also Sänger und Musikanten im Gasthaus willkommen heißen, so wie’s früher selbstverständlich war.
Was so einfach klingt, ist bis heute das Erfolgsrezept der Aktion: Musikantinnen und Musikanten dürfen nach Absprache im Wirtshaus aufspielen, ganz spontan, nicht als gebuchter Programmpunkt, sondern aus purer Lust am Musizieren. Als Dank gibt’s Brotzeit und Getränke. Dafür sorgen die Musikanten für Stimmung, Geselligkeit und volle Stuben. Das Ganze ist kein organisierter Heimatabend, sondern spontane und lebendige Volksmusik mitten im Wirtshausleben.
Liebe Wirte, ab sofort und bis zum 1. September 2026 könnt auch ihr euch bewerben für die nächste Verleihung des Prädikats Musikantenfreundliches Wirtshaus. Wir freuen uns auf alle, die dazu beitragen wollen, die klingende Wirtshauskultur zu erhalten.
Ein Netzwerk aus Volksmusik und Wirtshauskultur
Getragen wird die Aktion vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V., dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V. und den bayerischen Bezirken. Seit 2012 ist die Aktion bayernweit geöffnet, seit 2019 ist auch der Freistaat Bayern mit im Boot, vertreten durch das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, das die jährliche Auszeichnungsveranstaltung organisiert.
Was früher durch Schirmherrschaften, etwa von I. K. H. Herzogin Helene in Bayern, ermöglicht wurde, übernimmt heute Staatsminister Albert Füracker, Minister der Finanzen und für Heimat. Passend zu den Ursprüngen der Aktion ist es ein Oberpfälzer, der den Wirtinnen und Wirten feierlich die Auszeichnungen überreicht. Charmant und mit dem treffenden bayerischen Humor, der die Verleihung zu einem besonderen Erlebnis macht.
Mittlerweile sind alle sieben bayerischen Bezirke dabei, zuletzt kamen Schwaben und die drei fränkischen Bezirke im Jahr 2023 offiziell hinzu. Dort konnten heuer gleich neun schwäbische Gasthäuser ausgezeichnet werden.
Wo’s wieder singt und klingt
Über 500 Gasthäuser wurden in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnet, aktuell sind rund 440 Wirtshäuser offiziell musikantenfreundlich. Die geringere Zahl hängt zum einen mit dem weiter fortschreitenden Wirtshaussterben zusammen, zum anderen mit Pächter- und Inhaberwechseln. Das Prädikat Musikantenfreundliches Wirtshaus gilt nämlich den Wirten selbst – nicht dem Gebäude oder der Wirtsstube.
»Die Menschen sind es, die Orte prägen«, so Alois Schmelz, Leiter der Abteilung Volksmusik beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. »Denn lebendige Wirtshausmusik braucht offene Wirte und engagierte Musikanten – keine Bürokratie, keine Perfektion.«
Liebe Musikanten, lasst eure Musik nicht nur daheim im stillen Kämmerlein erklingen, geht zu den musikantenfreundlichen Wirtinnen und Wirten. Ihr bildet zusammen eine unschlagbare Einheit, wie das Weißbier und die Weißwurst. Geht wieder in die Gasthäuser, erfreut euch zusammen mit den Wirten an der bayerischen Stammtischmusik.
»… spontan, fehlerfreundlich und herzlich!«
Begegnung, die verbindet
In einem Musikantenfreundlichen Wirtshaus darf gesungen und gespielt werden, wie’s gerade passt: traditionell, unfertig, perfekt oder jazzig – Hauptsache, es lebt! »Eine Beschränkung auf nur eine Art von Musik hieße, sich auf nur einen Teil der Bevölkerung zu beschränken«, so schrieb Franz Schötz, ehem. Leiter der Volksmusikstelle Niederbayern und Oberpfalz beim Landesverein für Heimatpflege, 2016 in seiner Ansprache zum 20-jährigen Jubiläum des Musikantenfreundlichen Wirtshauses. Gerade die Begegnung ist entscheidend: zwischen Menschen, Generationen und Musikrichtungen. Denn aus dieser Begegnung wächst der Respekt und die Freude am gemeinsamen Musizieren.
Wirtshauskultur mit Zukunft
Natürlich kann eine Aktion wie diese das Wirtshaussterben nicht stoppen. Aber sie kann dazu beitragen, dass die Wirtshauskultur lebendig bleibt – als Ort der Begegnung, der Geselligkeit und des gemeinsamen Musizierens.
»Hausgemacht statt Hochglanz«, so könnte das Motto lauten. Denn was hier entsteht, ist keine Show, sondern echte Musik aus dem Leben: spontan, fehlerfreundlich und herzlich. Dass sich so viele Wirtinnen und Wirte wieder trauen, Musik ins Haus zu lassen, ist ein starkes Zeichen. Dafür gebührt ihnen – ganz im Sinne der Volksmusik – ein herzliches Vergelt’s Gott!
Frisch gekürt
Die letzte Auszeichnungsveranstaltung fand am 18.November 2025 im Hofgut Bäldleschwaige in Schwaben statt. Ganze 26 Wirtshäuser wurden ausgezeichnet:
Oberbayern: Donisl, München; Gasthof Unterbräu, Dießen am Ammersee; Griesbräu zu Murnau, Murnau am Staffelsee; Königlicher Hirschgarten, München; Romantik Hotel Zum Klosterbräu, Neuburg a. d. Donau Niederbayern: Landgasthof Zur Linde, Salching; Landhotel Donaublick, Obernzell; Waldgaststätte Frauenhäusl, Kelheim; Weissbräu Deggendorf Oberpfalz: Laubhof, Hahnbach; Bierwirtschaft Zur Linde, Krickelsdorf, Hirschau Oberfranken: Gasthaus Zum Homerudl, Wallenfels Mittelfranken: Biergarten an der Insel, Ornbau; Bratwurst Röslein, Nürnberg; Wirtshaus zur Krone am Freilandmuseum, Bad Windsheim; Zum Erlengrund, Ansbach Unterfranken: Zum Wittelsbacher Turm, Bad Kissingen Schwaben: Gasthof Adler, Ziemetshausen; Gasthof Diem, Krumbach; Gasthof Stern, Gersthofen; Gasthof Zahler, Röfingen; Gasthof Zum Rößle, Lautrach; Hotel-Gasthof Adler, Bad Wörishofen; Landgasthof Grüner Baum, Großaitingen-Reinhartshofen; Schlossbrauhaus Schwangau, Schwangau; Hotel-Restaurant Zum Schlössle Finningen, Finningen






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