Musikalische Weinbäuerin in Südtirol

Zu Gast bei der Unterganznerbäuerin Barbara Mayr

16. Januar 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Text: Franz Hermeter Fotos: Tiberio Sorvillo, Franziska Gilli, Franz Hermeter, privat

Am Ostrand des Bozner Beckens auf 285 m Meereshöhe, dort wo der Eggentaler Bach in den Eisack mündet, liegt der Erbhof Unterganzner. Die Familie Mayr kultiviert hier Weinreben seit dem Jahr 1629. Das ist die Heimat von Barbara Mayr. Seit 1987 ist sie mit Josephus Mayr, dem Unterganznerbauer verheiratet. Sie ist Mutter von fünf erwachsenen Kindern und seit kurzem auch glückliche Oma.

Die Arbeit geht der stets freundlichen Weinbäuerin nie aus. »Im Weinberg bin ich nur sporadisch, denn ich führe den Haushalt und bin zuständig für die Büroarbeit, die aufgrund der Direktvermarktung unserer Weine sehr zeitaufwändig ist. Durch Fortbildungen und die Lektüre von Fachliteratur habe ich mir das Weinwissen angeeignet, das ich brauche, um unsere Kunden gut zu beraten«, erzählt mir Barbara, die ich auf dem Unterganznerhof besuchte.

Der stattliche Weinhof Mayr Unterganzner in Kardaun.

Wunschberuf Musiklehrerin

Eigentlich wollte die junge Barbara Musiklehrerin werden. Die Querflöte war ihr Trauminstrument. Doch es kam ganz anders. Sie wurde in die Mittelschule des Konservatoriums Claudio Monteverdi im Fach Klavier aufgenommen, besuchte danach die Lehrerbildungsanstalt in Meran, wo sie mit dem Orgelspiel begann. Nach der Matura studierte sie ein Jahr bei Prof. Herbert Paulmichl in Bozen im Fach Kirchenmusik und wechselte dann ans Innsbrucker Konservatorium, wo sie ihre Ausbildung mit der Lehrbefähigung im Hauptfach Orgel bei Prof. Reinhard Jaud abschloss. Gleichzeitig war sie Organistin in ihrer Heimatkirche St. Gertraud in Bozen/Haslach und unterrichtete Singklassen sowie Blockflöte in den Musikschulen Haslach und Neugries.

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Barbara Mayr in ihrem Hofladen auf dem Erbhof Mayr Unterganzner.

Ohne Musik wäre das Leben nur halb so schön

Seit 46 Jahren spielt Barbara Mayr bei Gottesdiensten die Kirchenorgel. »Ohne Musik wäre das Leben nur halb so schön«, sagt sie frei heraus. Die Musik spielt in ihrer Familie sogar eine herausragende Rolle. Alle ihre fünf Kinder und ihr Mann waren bei der Musikkapelle Zwölfmalgreien und die zwei jüngsten sind es heute noch. Agnes, die älteste Tochter hat die Musik sogar zu ihrem Beruf gemacht. Sie ist freischaffende Künstlerin auf der Querflöte und war mit verschiedenen Orchestern schon in ganz Europa, Asien und Amerika unterwegs.

So kommt es immer wieder vor, dass gemeinsam musiziert wird: Barbara am Klavier mit Josephus am Schlagzeug und bei besonderen Feierlichkeiten an der Orgel mit Tochter Agnes an der Flöte oder Sohn Josef an der Trompete. Bei Familienfesten wird zuweilen mehrstimmig gesungen. »Das sind dann immer herausragende Höhepunkte«, freut sich Barbara.

Auch um 1900 wurde beim Unterganzner immer wieder fleißig musiziert.

Wir leben vom Anbau von edlen Weinen

Aus den verschiedenen Lagen am Hof und Umgebung produziert die Familie Mayr eine reichhaltige Palette an Rot-, Rosè- und Weißweinen. Zu den Weißweinen vom Unterganznerhof zählen Chardonnay, Sauvignon und Kerner. An Rosè Weinen baut Josephus Mayr Lagrein Kretzer und Merlot Rosè aus. An Rotweinen stehen St. Magdalener, Lagrein, Cabernet und auch ein Blauburgunder zur Auswahl. Besondere Rotweine sind Composition Reif und Lamarein und als Dessertwein der Passito Marie Josephine, ein edler Süßwein aus getrockneten Trauben, aromatisch konzentriert und harmonisch. Alle diese Weine werden von Josef und Josephus Mayr im heimatlichen Keller verarbeitet, ausgebaut und in Flaschen abgefüllt.

Das Weingut Unterganzner hat schon viele Auszeichnungen für seine Weine bekommen und jedes Jahr sind sie auch auf der Vinitaly mit dabei. Vinitaly ist eine internationale Wein- und Spirituosenmesse, die jährlich in Verona stattfindet. »Auf dieser Messe kommen viele Weinhändler zusammen, die auf unsere Weine aufmerksam werden. Rund 25 Prozent unserer Weine verkaufen wir ab Hof, der Rest wird über Händler und in die Gastronomie verkauft.«

»Ohne Musik wäre das Leben nur halb so schön«

Eine Familie, die immer zusammenhält (v. l.): Katharina, Barbara, Josephus und Josef Mayr

Die Lieblingsweine von Barbara

Ihr Lieblingswein unter den Weißweinen ist der Chardonnay, denn er hat weniger Säure und ist sehr bekömmlich. Zu ihrem runden Geburtstag bekam sie kürzlich von ihrer Familie ein geschnitztes Eichenfass, in dem nun der Chardonnay ausgebaut wird. Bei den Rotweinen schwört sie auf einen klassischen St. Magdalener, zu einem kräftigeren Essen bevorzugt sie einen edlen Lagrein und zu Wildgerichten einen granatroten Cabernet.

Auch wenn das Hauptaugenmerk auf dem Weinanbau liegt, so sind die Mayrs dennoch stolz darauf, schon seit rund 30 Jahren Äpfel, Feigen, Kastanien und Oliven in kleinerem Stil anzubauen. So stellen sie seit einigen Jahren in Eigenproduktion das erste Olivenöl Südtirols her – in kleinen Mengen, versteht sich.

Die Musik ist ein gutes Ventil

»Die Musik ist für uns alle ein gutes Ventil, um den Kopf von der vielen Arbeit freizubekommen. Bei meinen Proben mit dem Chorverein Kardaun kann ich völlig abschalten. Ich liebe die Kirchenmusik, gehe als Chorleiterin aber auch über die Kirchenmauern hinaus. So haben wir z. B. mit unserem Chorverein einen musikalischen Dorfspaziergang sowie ein Konzert am Dorfplatz gestaltet, wo wir Volkslieder von Südtiroler Komponisten wie Sepp Unterhofer, Markus Silbernagl und Ernst Thoma gesungen haben«, erzählt Barbara. »Für die Zukunft wünsche ich mir, dass auf dem Erbhof Unterganzner alles gut weitergeht und dass alle am Hof trotz der vielen Herausforderungen weiterhin Zeit für die Musik finden.«

www.mayr-unterganzner.it

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Aufmacher:
Kurz vor der Weinlese.

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