Prösterchen

»hinterbayern«, Juli 2025

29. August 2025

Lesezeit: < 1 Minute(n)

Früher war nicht alles besser, schon gar nicht bei den Musikanten, die zum Tanz aufspielten und vom Publikum mit Alkoholischem versorgt wurden, das sollte noch mehr die Stimmung heben. Der tradierte Spruch beim Kredenzen war: »Prost, Prost, Prost, dass d’ Gurgel ned verrost«. So war’s halt der Brauch.

Dann begannen die Musiker sich selbst zu schützen und kippten die Stimulanzias nicht mehr in sich hinein sondern in einen extra aufgestellten Behälter oder in ihr Blasinstrument oder auf den Fußboden, kurz, ins Wirkungslose. Parallel zitierten sie trotzdem den Musikanten-Spruch: Ein dreifaches Prosit auf den edlen Spender, gefolgt vom Zickezackehojhojhoj.

Die Entwicklung pro Fitness und Nüchternheit schritt unaufhaltsam voran, es musste eine Alternative zu Bier und Schnaps her. Der neue Standard wurde das klare, kühle Wasser, häufig in Maßkrügen serviert, ein Vorrat für den ganzen Abend. Alternativ Wasser oder Apfelsaft in Schnapsgläsern, routinierte Bedienungen wussten Bescheid.

Allmählich setzt sich das alkoholfreie Bier durch, frisch vom Fass, optisch ausreichend. Damit geht das echte Einstecha verloren, der Publikumswunsch nach einem speziellen Musikstück, gepaart mit dem Honorieren mit Bieren oder Hochprozentigem.

Doch grundsätzlich reicht das Non-Alkohol-Bier, um die Erinnerung an die Tanzböden aufleben zu lassen, immerhin ist der neue Brauch gesundheitsfördernd und somit als Heimatverlust akzeptierbar. Und lebt doch auf, wenn die Musikanten, provozierend, selbstverleugnend, trotzig singen, als Showteil oder gar als Hilferuf: Bringts mia a Masserl guades, ächtes, süffiges, gschmackiges, boarisches Bier!

Gisela und Herbert Pöhnl

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