Text: Elisabeth Hofmann Fotos: privat
Helmut Kurz vereint gleich zwei wichtige Punkte zum Thema Brotzeit, er ist Musikant und er ist Wirt. Sein wunderbares Wirtshaus liegt mitten am Stadtplatz in Deggendorf und heißt Zur Knödelwerferin. Und sein musikalisches (Un)wesen treibt der Multiinstrumentalist als Kopf der Deggendorfer Brotzeitmusi. Wie passend!
»Wenn d Brotzeit d Musi zsammhält«
Seit 1993 vereint Helmut Kurz seinen Beruf als Wirt und Koch mit seiner Leidenschaft für die bayerisch-böhmische Volksmusik in der Stadt Deggendorf. Als junger Bursch, aus volksmusikalischem Elternhaus, begann er mit der Steirischen Harmonika und aus dem Höslwanger Seminar von Franz Schötz heraus, entstand die Waagscheidl-Musi. Darauf folgten Lehr- und Wanderjahre, als Schiffskoch und in der Schweiz. Der Beruf war erstmal im Vordergrund.
Die Sehnsucht nach etwas Eigenem führte den geborenen Ittlinger (Straubing) schließlich ins Sappralot nach Deggendorf. Schnell wird die Volksmusik wieder zum festen Bestandteil seines Lebens. So gründete sich eine feste Wirtshausstammtischmusi zuerst im Goldenen Engel – so um 1999. Aus dieser Besetzung wurde schließlich die Deggendorfer Brotzeitmusi, der neben der Liebe zur Volksmusik auch die Begeisterung für eine zünftige bayerische Brotzeit zu Grunde liegt.
Diesen Leidenschaften ging man seither in wechselnder Besetzung nach. Im Moment besteht die Musik aus Klaus Häusler, Mathias Forst, Thomas Krückl, Regina Kasberger und Helmut Kurz. Die Besetzung mit Steirischer Harmonika, Böhmischem Bock, Geige, Gitarre und Tuba musiziert bei Hoagarten und natürlich am liebsten im Wirtshaus. Es werden die Leute beim Singen miteinbezogen, wenn alle aktiv mitmachen fühlt sich die Musi am wohlsten. Bei Zwiefachen, Boarischen und Landlern blühen sie dann so richtig auf. Noch heute pflegen sie die schöne Tradition, zuerst eine ordentliche Brotzeit zu essen, die Freundschaft zu pflegen und sich austauschen, dann spielt sich die Musik ganz entspannt und voller Freude.
Wie das Leben so spielt
Der Böhmische Bock liegt Helmut Kurz ganz besonders am musikalischen Herzen. In Böhmisch Eisenstein (Železná Ruda) wirkt er bei einer Kindertanzgruppe mit, musiziert mit dem Nachwuchs und fördert so den Erhalt überlieferter musikalischer Traditionen hüben und drüben.
Voller Begeisterung meint Helmut, auf die Frage, wie er seinen Beruf als Wirt und die Musik unter einen Hut bringt: »Oans wia s anda is hoit oafach mei Lebn!«. Da lässt sich nichts dran rütteln, beides gehört für ihn untrennbar zusammen. So wie er in seinem Wirtshaus darauf achtet, dass es eine ehrliche, handgemachte Gastronomie bleibt, so lebt er auch sein Musikantenleben und sieht sich ganz der überlieferten Volksmusik verpflichtet. Sich wegen vermeintlich modischer Notwendigkeiten zu verbiegen ist nicht sein Ding. Für ihn gilt in der Küche und bei der Musi das Prädikat ausgezeichnet selbergmacht.
Leidenschaften unter einen Hut bringen
Die kostbare Zeit mit seinen Volksmusikanten-Freunden hat ihn gelehrt, die heimatliche Musik zu schätzen, aber auch einen offenen Blick für multikulturelle Einflüsse zu schärfen. Der Musikantenstammtisch der 1999 begann, zog dann in sein eigenes Wirtshaus mit um, und bereichert seither das volksmusikalische Leben der Kreisstadt Deggendorf und ihrer Gastronomie. So oft es zeitlich möglich ist, trifft sich eine abwechslungsreiche Musikantenrunde in seinem Gasthaus Zur Knödelwerferin. In der Regel kommen die Sänger und Musikanten einmal im Monat bei ihm zusammen.
Das Wirtshaus fordert Helmut. Freie Zeit bleibt da Mangelware. Sein Wunsch ist es trotzdem auch mit seiner Familie seine Leidenschaft für die Musik zu teilen. Das gemeinsame Zukunftsprojekt Familienmusik Kurz wird seit einiger Zeit mit viel Muszierfreude und Spaß in Angriff genommen. Sein ältester Sohn Tim spielt Geige, Valentin lernt die Diatonische Harmonika und seine Frau Sujittra will für dieses Projekt die Gitarre erlernen, damit die Familie auch musikalisch ein starkes Team wird.
Die Balance zwischen geschäftstüchtigem Wirt und spielfreudigem Musikanten ist nicht leicht und wird schon mal auf die ein oder andere harte Probe gestellt. So ein Wirtshaus muss sich eben rentieren und macht so und so sehr viel Arbeit. In Zeiten von Personalmangel, Bürokratiedschungel und Rentabilität den schmalen Grat der Freude und Begeisterung nicht zu verlieren ist ein kleines Kunststück. Neben dem Musizieren geben Helmut Kurz seine Familie, die Musikantenfreundschaften und die begeisterte Kundschaft einen großen Rückhalt.
Unterhält man sich mit Helmut Kurz, so strahlt er mit jedem Wort das Feuer und die Begeisterung für die bayerische Volksmusik aus. Eh klar, mehr Zeit für die Familie und das Musizieren wären schon schön. Trotzdem wird er nicht müde zu betonen, dass das Wirtshaus und die Volksmusik sein Lebenselixier sind … »und ohne a gscheide Brotzeit geht sowieso gor nix!«

Video: »da Häuslmo«
Die Knödelwerferin zu Deggendorf
Eine scheinbar uralte Geschichte besagt, dass einst ein beherzter Knödelwurf einer Köchin die Deggendorfer vor einer Belagerung gerettet haben soll. Doch längst ist klar, die Legende entstand erst um 1900. Weil von Umlandgemeinden gerne spöttisch behauptet wurde, Deggendorfer Knödel seien groß wie Kindsköpfe und steinhart, wurden zwei Steinkugeln am Deggendorfer Rathaus von Schandkugeln, zu Kanonenkugeln umgedeutet, eine historische Belagerung ersonnen und schließlich die Mär von mit Knödeln in die Flucht geschlagenen Soldaten erfunden. Inzwischen ist die Geschichte in aller Munde und wird von den Deggendorfern heiß und innig geliebt.












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