Es hat niemals Jerusalem: Lied zum Fest Darstellung des Herrn / Maria Lichtmeß. In der Heiligen Schrift (Lk 2,22–35) lesen wir: »Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.«
Das obige Lied findet sich in Norbert Wallners Buch Deutsche Marienlieder der Enneberger Ladiner, das in der Reihe Schriften zur Volksmusik als Band I erschienen ist (Wien 1970, S. 42). Es ist ein weit verbreitetes, oft handschriftlich im Text erhaltenes Lied, das mit verschiedenen Melodien in den Kirchengesangsbüchern gedruckt wurde, z. B. in Der singende Christ (1777). August Hartmann hat den Text der 1. Strophe mit einer fast identischen Melodie mit der Bezeichnung Giesing in seine Liedersammlung (Staatsbibliothek München, Hartmanniana Supplement) aufgenommen. In Giesing hat Hartmann schon vor 1874 Lieder gesammelt und vor allem sogenannte Herbergslieder gefunden, die beim adventlichen Brauch des Frauentragens gesungen wurden. 1991 haben wir (EBES) in der Reihe Das geistliche Volkslied das Jahr hindurch den Text überarbeitet und mit weiteren Lichtmeßliedern im Bunten Heft Nr. 7 Ein göttliches Licht mit hellem Schein beim Volksmusikarchiv und der Volksmusikpflege des Bezirks Oberbayern veröffentlicht.
Eva Bruckner

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