Liebe von mir stets verachtete Normalbevölkerung,
Zugegeben: Ich bin froh, dass man diese Kolumne nicht hört, denn das Thema ist meine prächtige, donnernde Bass-Stimme. Also theoretisch. Als Lizenz-Bösewicht versuche ich schon lange möglichst tief zu sprechen, ungefähr so wie der Heino singt. Aber ich scheitere hin und wieder, um nicht zu sagen, andauernd an mir selbst. Bei Vokalen wie A, O oder beispielsweis U kriege ich es hin, die Stimme überzeugend nach unten zu drängeln. Bei I, E, Ü oder gar Ö gelingt das weit weniger. Wenn ich mich dann zudem über was aufrege, den frechen Kasperl zum Beispiel, dann fange ich an zu haspeln, krächzen und im wenig dämonischen Falsett herumzugicksen. Glauben Sie’s mir: Ist der Kasperl nicht zugegen, brumme ich ganz toll das klassische »Abracadabra« vor mich hin. Durchaus eindrucksvoll! Wenn mir der Rüpel jedoch den Zauberhut mit Bauschaum oder mein treues Krokodil mit Marihuana gefüllt hat, dann bricht es aus mir heraus: »Ich zeig dich an!« Krächzend, hysterisch und leider viel zu hoch. Dann lacht er. Und der Seppl auch. Achje, da bleibt mir nur der schweigsame Rückzug in meine Gemächer. Ein Dasein als Privatbassist.
Ihr böser Zauberer Gottlieb Wurst
0 Kommentare