Mit dem Album Nelle Bocche di Gentaglia (zu Deutsch etwa: In den Mäulern des Pöbels) legt das Spassapensiere Ensemble ein beeindruckendes Dokument der Wiederbelebung norditalienischer Volksmusik vor. Der Titel ist eine augenzwinkernde Referenz an ein Traktat von 1628, in dem die Maultrommel als Instrument der einfachen Schichten beschrieben wurde. Das Projekt ist weit mehr als eine bloße CD; es ist das Ergebnis jahrelanger Forschung der Musiker Alessandro Zolt, Lorenzo D’Erasmo und dem Instrumentenbauer Luca Boggio. Da die Maultrommel-Tradition im Piemont zwischen den Weltkriegen fast völlig erloschen war, mussten die Musiker historische Instrumente rekonstruieren und das Repertoire anhand von Archivfunden und verwandten alpinen Traditionen neu erschließen. Musikalisch erwartet den Hörer ein facettenreiches Klangbild. Im Zentrum steht natürlich die Maultrommel (italienisch: scacciapensieri, wörtlich übersetzt Gedankenvertreiber oder Sorgenbrecher), die hier in Ensembles mit anderen historischen Instrumenten und archaischer Perkussion erklingt. Die Stücke führen auf eine Reise durch Norditalien, Frankreich und die Schweiz, wobei Einflüsse der Renaissance ebenso spürbar sind wie lebendige Tanzmelodien, etwa Rigodon oder Monferrina. Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus wissenschaftlicher Akribie und spielerischer Leichtigkeit. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, findet via QR-Code ein digitales Begleitheft mit detaillierten Hintergrundinformationen in mehreren Sprachen. Die CD ist eine höchst lebendige und fachmännisch kuratierte Wiederentdeckung eines fast vergessenen alpinen Kulturguts und daher ein absolutes Muss für Freunde alpiner Volksmusik und alle, die das unterschätzte Potenzial der Maultrommel neu entdecken wollen.
Bezugsquelle außerhalb Italiens: www.johannes-sift.de





0 Kommentare