Schönheit & Staatsversagen – jetzt echt? Tatsächlich. Ein ungewöhnlicher Titel für einen Tonträger, aber ein berechtigter. Die Münchner Musikerinnen Isabelle Rejall (Gesang), Anna Pontz (Hackbrett), Vera Drazic (Akkordeon), Barbara Pfanzelt (Klarinette) und Eva Euwe (Kontrabass) nehmen uns mit auf eine Zeitreise in das Bayern um 1800. Maximilian von Montgelas (1759–1838) ist gerade dabei den Staat zu reformieren und mit seiner Säkularisation für ein kulturelles Erdbeben zu sorgen, dessen negative Auswirkungen noch lange zu spüren sein werden. Gleichzeitig entstehen musikalische Werke von Anmut, Sanftheit und gefühlvoller Melodik. Die studierten Musikerinnen des Ensembles Almanach präsentieren uns auf ihrer CD nun meisterhaft musikalische Pretiosen, Kunstlieder der Romantik, vielfach von bayerischen Komponisten – ja sogar von einer Komponistin: Josephine Lang (1815–1880). Stimme trifft auf alpenländisches Instrumentarium. Neue Liedklänge entstehen, formvollendet adaptiert durch Patrick Gregor Braun. Dazu drapiert der junge Schauspieler und Sprecher Frederic Böhle gekonnt Texte aus den nüchternen Beobachtungen des bayerischen Verwaltungsbeamten Joseph von Hazzi (1768–1845), der akribisch den Alltag der Landbevölkerung im neuen Königreich Bayern dokumentierte. Welten treffen aufeinander. Jetzt herrlich nachzuempfinden, dank der hörenswerten Scheibe des Ensembles Almanach.
Roland Pongratz





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