Dass Volksmusik mehr ist als Saitenmusi oder Blasmusik, zeigt jetzt der Jazzer Sven Ochsenbauer. Er stellt sie völlig anders dar, experimentell und minimalistisch. Ochsenbauer hat bereits 2014 das Album HoamadJazz veröffentlich, nun hat er es erneut geschafft, Klänge und Akkorde des Jazz in die Strukturen der Volksmusik zu integrieren. Die Stücke sind neu arrangiert und, ja, sie verzaubern. Seine bis jetzt acht reinen Jazz-Alben sind bestens ergänzt. In Hoamad Jazz … die Zweite! stellt Ochsenbauer auch eigene Kompositionen vor, alle ebenfalls regional motiviert und mit kleinen Booklet-Stichworten eingeordnet. Am Arbersee, Zillefahrt oder Borkblues sind Beispiele. Weitere sind ebenso locker und verspielt um-arrangiert, darunter einige Standards der Volksmusik von Über d Alma bis zu Zwiefachen wie dem Suserl, dem Oichlbauern, Wintergrün und dem Eisenkeilnest. Das fasziniert, weil es ungewohnt, also überraschend ist, aber doch weitgehend im Bekannten bleibt. Trotzdem, so subtil, so meditativ, so minimalistisch ist noch kein Zwiefacher interpretiert worden. Ochsenbauer findet die Blue-Notes in der Volksmusik, swingende, experimentelle, karge und überraschende. Immer ist Emotion zu spüren, Liebe zur regionalen Musik und deren großen Variationsmöglichkeiten. Sie werden sich dabei ertappen, wie ihre Füße mitwippen, unaufhaltsam.
Herbert Pöhnl





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