bass-ophil

Von Atul Barts Leidenschaft für tiefe Töne

25. Februar 2026

Lesezeit: 5 Minute(n)

Atul Barth ist ein leidenschaftlicher Musikant, der sich den Großteil seines musikalischen Könnens autodidaktisch erarbeitet hat. Besonders angetan haben es ihm Instrumente mit tiefem Fundament: als Kontrabassist, Bratschist und Ziachspieler prägt er zahlreiche Formationen der Volks- und Tanzmusik. Magnus Kaindl traf ihn in seiner neuen Wahlheimat am Ammersee zum Gespräch.

Interview: Magnus Kaindl  Fotos: Atul Barth, Stefanie Giesder, privat

Magnus Kaindl: Atul, wie begann dein musikalischer Weg und wo bist du heute aktiv?

Ich bin mit drei ebenfalls adoptierten Geschwistern im Badischen nahe Donaueschingen aufgewachsen. Musik spielte bei uns von Anfang an eine große Rolle. Während meine Geschwister an der Musikschule Geige lernten, haben mich die tiefen Töne fasziniert und ich wollte unbedingt Kontrabass spielen. Das hat nicht gleich geklappt und so habe ich 1981 zunächst mit Cello begonnen – immerhin schon ein tieferes Instrument, auch wenn es natürlich anders gestimmt ist, was meinen Eltern damals, glaube ich, nicht bewusst war [schmunzelt]. So richtig glücklich war ich damit aber nicht.

Ich hatte dann meinen Musiklehrer gefragt, ob er nicht wisse, woher man einen Bass bekommen könnte. Er war Vorstand in einem Männergesangsverein und dort stand tatsächlich ein alter, kaputter Kontrabass herum – den habe ich schließlich geschenkt bekommen. Mein Vater und ich haben ihn nach bestem Wissen hergerichtet, und seitdem spiele ich. Unterricht hatte ich aber nie: Ich habe mir Melodien von Kassetten abgehört, geübt, Harmoniewechsel verstanden und so habe ich mich mehr und mehr ins musikalische Begleiten reingefuchst.

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Wir hatten auch eine Familienband und spielten Volksmusik unter anderem bei Landesmusikwettbewerben. Wir haben viele bayerische und österreichische Gruppen kennengelernt und wurden auch bald über das Badische hinaus eingeladen. Unser Repertoire hat sich ständig erweitert und als ich 1987 beruflich nach Stuttgart ging, kam ich zur Stuttgarter Volkstanzmusik. Sie suchten einen Bassisten. Dort lernte ich das Streichen und merkte schnell, wie stark sich Töne mit dem Bogen modellieren lassen und wie viel Energie man der Musik dadurch zusätzlich geben kann.

Autodidaktisch bin ich auch an die Steirische Harmonika herangegangen. Um 1990 kam sie dazu, stark geprägt durch Benno Heigl, den ich beim Instrumentenbau- und Spielkurs in Waldmünchen kennengelernt habe. Da war plötzlich Melodie und tiefer Bass vereint – das war genau meins. Auch hier habe ich mir alles übers Hören und Ausprobieren erschlossen.

Heute spiele ich meist als Aushilfe [lacht]: fix dabei bin ich eigentlich nur beim Landlerdelirium als Bassist und Bratschist. Regelmäßig spiele ich im Augustiner in Freising zum Tanzen auf und bin gelegentlich für Veronika Schweikl und Katherina Mayer als Tanzmusikant mit der Harmonika unterwegs. Eng verbunden bin ich außerdem der Geigerei Schreiner und den Schreinergeigern und auch den Tanzgeigern aus Wien. Die musikalische Prägung durch Rudi Pietsch und dieses Niveau miterleben zu dürfen, darauf bin ich sehr stolz. Zudem bin ich als Referent für Kontrabass auf Volksmusiklehrgängen tätig, etwa in Waldmünchen oder Alteglofsheim.

… und auf der Harmonika für Melodie und Rhythmus zugleich.

Was bedeutet der Bass für dich in der Volksmusik?

Der Bass ist das Fundament jeder Musik, auch wenn das oft vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so wahrgenommen wird. Bei den Tanzgeigern habe ich etwa gelernt, dass der Bass zum Beispiel in ungarischen Stücken scheinbar untergeordnet wirkt, tatsächlich aber alles zusammenhält. Hinzu kommt für mich: Bass und Nachschlag gehören untrennbar zusammen. Der Nachschlag muss auf den Impuls des Basses reagieren – sonst fällt das Ganze auseinander. Besonders in schnellen Stücken muss dieses Zusammenspiel wie ein Uhrwerk laufen, sonst klingts schnell chaotisch – wunderbar beobachten kann man das bei schnellen Stücken wie Polkas oder Dreher oder auch bei ungarischen oder osteuropäischen Stücken. Dieses Zusammenwirken ist mir auch in der Vermittlung als Referent sehr wichtig.

Gibt es Besonderheiten in der Tanzmusik?

Ich finde, es sind oft die kleinen Nuancen, die maßgeblich darüber entscheiden, ob eine Melodie zum Tanzen einlädt. Ein Walzer kann beispielsweise wienerisch leicht verzögert oder ganz gerade gespielt werden. Ausschlaggebend ist natürlich auch, wie eine Gruppe aufeinander eingespielt ist. Bei den Gruppen, bei denen ich mitspiele, funktionieren solche Nuancen oft über Blickkontakt und entstehen vielfach spontan.

Auf der Ziach habe ich als Solist freilich eine große Freiheit in der Phrasierung, weil ich auf niemand anderen Rücksicht nehmen muss. In der Tanzmusik sehe ich die Steirische Harmonika aber eher unterstützend: Sie trägt die Melodieinstrumente und übernimmt nur punktuell tragende Rollen.

Als Bratschist sorgt Atul für den Nachschlag …

Die Bass-Systeme der Steirischen Harmonika sind sehr unterschiedlich und mittlerweile ein sehr komplexes Kapitel. Wie hast du dein System gefunden?

Als ich angefangen habe, war die Auswahl noch überschaubar. Und ich habe mich mit den Neuentwicklungen auch nicht sehr intensiv beschäftigt [schmunzelt]. Ich habe mir sagen lassen, dass ich ein erweitertes steirisches Prinzip spiele: auf Druck die I. Stufe, auf Zug die V.; in der zweiten Reihe auf Zug die Mollparallelen statt der IV. Stufe. Dieses System funktioniert für mich in allen Stücken hervorragend, die ich spiele.

Das heißt, Mollbässe sind für dich unverzichtbar?

Ja, wenn man mehr als rein traditionelle Volksmusik spielen will, sind Mollbässe unumgänglich. Es gibt heute auch Systeme ohne Terzen, die nur den Grundton verstärken – so kann man unabhängig von Dur oder Moll begleiten. Am Ende ist es immer eine Frage des Geschmacks. Ich finde es super, dass der Instrumentenbau hier mittlerweile sehr flexibel und innovativ auf die Wünsche der Kundschaft reagiert.

Was ist dir bei der Bassbegleitung sonst noch wichtig – ganz praktisch gedacht?

Mir geht es darum, dass alle in der Gruppe aktiv mitgestalten. Bassübergänge und -läufe bereichern die Musik enorm, aber auch einmal nur Grundbass und einfacher Wechselbass zu spielen, ist schön. Die Kombination daraus macht es aus. Und beim Kontrabass im volksmusikalischen Kontext ist mir das Streichen besonders wichtig, weil sich gerade die Bassläufe so viel melodischer und runder gestalten lassen. Was nicht so meins ist, wenn der Bass Melodieteile übernimmt – außer es ist ausdrücklich als Solo gedacht.

Und vom Kontrabass kommend übertrage ich viele meiner Begleitideen natürlich auch auf die Ziach, was manchmal zu ungewohnten Höreffekten führt. Wenn dann plötzlich ein ungewöhnlicher Basslauf oder ein extrem tiefer Ton auftaucht, horchen die Leute auf. Ja, ich bin da wirklich bass-ophil – ohne es zu übertreiben, hoffentlich.

Lieber Atul, herzlichen Dank dir für deine genommen Zeit und viel Freude weiterhin beim Tönen der tiefen Töne!

Aufmacher:
Liebhaber der tiefen Töne: Atul Barth

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