Haus der Bayerischen ­Geschichte (Hg.)

Musik in Bayern

30. Juni 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

Wenn man wissen will, was sie einem sagen wollen, reicht es bei vielen Ausstellungen, den Katalog zu lesen. Das funktioniert bei der neuen Bayerischen Landesausstellung überhaupt nicht, weil es da um Musik in Bayern geht, und weil da natürlich sehr viel zu hören ist. Also auf in den Bayerischen Wald nach Freyung, wo das Haus der Bayerischen Geschichte heuer seine große Jahresausstellung aufgebaut hat. Obwohl er also den Besuch nicht ersetzt, ist der Katalog aber für alle auch nur ansatzweise geschichtsinteressierten Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes ein Muss – und für alle, die die Ausstellung besucht haben, sowieso auch: Man vergäße ja gleich wieder so viel, wenn man nicht nachblättern könnte. Von der Kinderrassel aus dem frühen 18. Jahrhundert aus Silber und einem Wildsauzahn, die eher ausschaut wie eine Stichwaffe als ein Spielzeug bis hin zu der Böhmischen Bockpfeife aus Autoreifen, die die Volksmusikantin Evi Strehl bei einem Lehrgang des Bezirks Oberpfalz baute – als wohl erste Oberpfälzerin überhaupt, die einen Dudelsack mit Reifengummi produzierte. Eine Einladungskarte zu einer Geburtstagsfeier von Freddie Mercury gehört ebenso zur bayerischen Musikgeschichte wie Schallplatten der 1860-Legende Petar Radenkovic und ein Gstanzl-Spickzettel vom Roider Jackl. Nur wegen der roten Leder-Unterhose bzw. Unter-Lederhose, die Michael Well als Mitglied der Biermösl Blosn anno 1985 beim 5. Anti-WAAhnsinnsfestival trug, wär der Katalog nicht nötig – die vergisst man nämlich so schnell nicht mehr. Andererseits schaut man sie sich auch immer wieder gerne an – und dazu braucht’s ihn dann doch wieder. 

Rudolf Neumaier

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