editorial

zwiefach #03-2023

30. Juni 2023

Lesezeit: 2 Minute(n)

»Denn unter der Linde pflegen wir zu trincken, tanzen, frölich seyn, nicht streiten noch ernsten, denn die Linde ist bey uns ein Friede- und Freudebaum.«

Martin Luther (1483–1546)

Liebe Sänger & ­Musikanten, liebe Leserinnen & Leser!

Haben Sie einen Lieblingsbaum? Einen, unter dem Sie im Sommer gerne im Garten sitzen? Oder in den Sie in trauter Zweisamkeit ein Herzerl geschnitzt haben? Oder eine Kastanie, die in ihrem favorisierten Biergarten Schatten spendet? Vielleicht ist es aber auch ein Baum, der ihnen Orientierung gibt, wenn Sie durch die Landschaft wandern. Ja und dann sind da noch die Bäume, die in Liedern eine Rolle spielen …

Auch im Musikinstrumentenbau spielen die diversen Baumarten und Hölzer eine maßgebliche Rolle, oft auch bei Instrumenten, bei denen man das auf Anhieb gar nicht vermuten möchte. Der renommierte Harmonikabauer Hermann Jamnik aus der Steiermark etwa meint »Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass jedes Holz, ob weich oder hart, zäh oder spröde, harz[ig] oder weniger harzig, fein oder grobfasrig, stark oder wenig duftend, hell oder dunkel im Aussehen, für den Bau der Steirischen Harmonika geeignet ist.« Dank des je Holzart speziellen Zellaufbaus und seiner besonderen molekularen Zusammensetzung entwickeln sich unverwechselbare Klangeigenschaften. Und Jamnik stellt eine einfache Faustformel auf: »Je dichter oder härter das Holz, umso heller, brillanter und obertonreicher die Klangeigenschaft, je weicher das Holz, desto samtiger, eher runder die Klangeigenschaft einer Harmonika. So individuell der Mensch, so ganz eigen ist auch die Schwingungseigenschaft eines Holzes; durch Menschenhand zum Schwingen gebracht, spiegelt es einen Teil der Schöpfung wider und wird so zu einem wichtigen kulturellen Bestandteil der Menschheit.«
Schöne Gedanken, die davon wegführen, Hölzer im Instrumentenbau nur als optische Varianten zu betrachten. Freilich heißt es da genau hinzuhören, auf die ganz feinen Nuancen, die Ahorn, Apfel, Cocobolo, Ebenholz, Eibe, Erle, Fichte, Haselfichte, Königsholz, Lärche, Lebensbaum, Rosenholz, Mahagoni, Mooreiche, Nussbaum, Olive, Rüster, Walnuss, Wenge, Wildkirsche, Zebrano, Zeder, Zirbe, Zwetschge u. v. a. m. mit ihren individuellen Schwingungen erzeugen. Fein hinhören sollten wir so und so viel öfter, nicht nur, wenn’s um Klänge geht, sondern auch wenn’s um unsere Freunde, Verwandten, Musikantenkollegen oder Tanzpartner geht. Nicht immer gibt’s die gleichen Schwingungen, nicht immer hält das Wurzelwerk den Anforderungen Stand, selten entspricht ein Jahresring dem nächsten. Da können wir durchaus von den Bäumen lernen, wie uns Das Geheime Leben der Bäume (Buch und Film) von Forstwirt Peter Wohlleben verdeutlicht.
Ich wünsche viel Spaß und Entspannung beim Lesen dieser »zwiefach«.

Mit sonnigen Grüßen,

Ihr Roland Pongratz

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