editorial

zwiefach #01-2024

4. Januar 2024

Lesezeit: 2 Minute(n)

»Laufe nicht vor deinen Dämonen davon, tanze mit ihnen.«

Volksweisheit

Liebe Sänger & Musikanten,
liebe Leserinnen & Leser!

»Dämonen hassen Gesang und Gelächter, mit beidem kann man sie vertreiben.« Mh, diese Aussage klingt doch für den Einstieg in ein Musikmagazin zum Thema Ungeheuerliches. Albtraum, Geister und Dämonen schon mal nicht schlecht. Tatsächlich haben sich die Menschen, egal wo auf der Erde und egal zu welchen Zeiten, immer etwas einfallen lassen, um die bösen Geister zu vertreiben. Musik, Lieder, Tänze, Klänge … spielen dabei oft eine entscheidende Rolle. So kamen auch die Aperschnalzer auf das Titelblatt des vorliegenden Heftes. Das Aperschnalzen ist im bayerischen Voralpenland und im Salzburger Land seit langem gepflegter Brauch. Über seine Entstehung gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die geläufigste ist, dass es um das Vertreiben des Winters gehe. Durch Lärm sollen die bösen Mächte der Finsternis und Kälte vertrieben werden. Andere wiederum glauben an einen Fruchtbarkeitsbrauch. Das laute Knallen der langen Peitschen soll die unter der Schneedecke schlummernde Saat zu neuem Leben erwecken. – Ob dies für die Goaßl-Schnalzer von heute noch Beweggründe sind, am Brauch festzuhalten? Wenn sich heute die Schnalzerpassen – meist aus neun Personen bestehend – treffen, dann oft zum Preisschnalzen, bei dem nach einem ausgeklügelten Punktesystem die Leistung jeder Passe bewertet wird. Dabei geht’s in der Nähe des Festzeltes um gleichmäßigen Takt und Lautstärke, ob böse Kräfte vertrieben oder die Saat gut aufgeht, wurde da wohl noch nie mit ins Kalkül gezogen.

Die Sache mit dem Brauchtum ist ohnehin eine komplizierte, gerade dann, wenn es um schaurige Gestalten geht. In den letzten Jahren ist etwa bei der Gestaltung der Perchten-Masken ein starker Hang zu Hollywood-Anleihen feststellbar. Grusel und Schock um jeden Preis. Schaurig-schön ist da oft nichts mehr. Und wenn sich über 300 Kramperl und Perchten aus allen Himmelsrichtungen vor mehreren Tausend Zuschauern treffen, dann ist das eine Show und keine Brauchausübung. Müssen sich dann auch noch alle Teilnehmer, also jeder Krampus und Percht, von Amtswegen mit einer Nummer versehen lassen, damit sie identifizierbar wären, sollte es zu Vorkommnissen kommen, wirft das schon ein etwas schräges Licht auf die Veranstaltung, über das man mal nachdenken sollte.

Und dann gibt’s noch einen Satz zum Schluss: »Die Geister, die ich rief …«. Im November/Dezember hat unser Verlag Fortes Medien eine Crowdfundig-Aktion für die »zwiefach« durchgeführt. Tatsächlich haben uns die Teuerungen der letzten Monate etwas zugesetzt, aber keine Angst, unser Magazin wird’s auch weiterhin geben. Die zusätzlichen Mittel, die halt jetzt viel schwerer zu erwirtschaften sind, sollen in Zukunftsprojekte investiert werden, um weiterhin für unsere Leser am Puls der Zeit sein zu können. Die Verantwortlichen im Verlag und der Redaktion freuen sich auch nach Ende der Sammelaktion über Unterstützung.

So, und jetzt wünsche ich viel Vergnügen beim Schmökern in der vorliegenden »zwiefach« und wünsche allen einen guten und gesunden Start ins neue Jahr!

Ihr Roland Pongratz

[Sie finden die Ausgabe #1-2024 der  »zwiefach« hier im Archiv]

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