»Für mehr MusiKultur im Leben«

Katrin Auer hat den Podcast JÄM ins Leben gerufen

2. Dezember 2023

Lesezeit: 7 Minute(n)

Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich der Podcast als Audioformat, das man im Internet sofort abspielen oder herunterladen und später anhören kann, fest etabliert. Im Gegensatz zu einer Radiosendung gibt es keine festen Sendezeiten, man kann die Sendung hören, wann immer es einem zeitlich am besten passt. Auch die junge (Volks)Musikantin Katrin Auer hat mit JÄM einen hörenswerten Podcast ins Leben gerufen. Roland Pongratz hat sich mit ihr über das ehrgeizige Projekt unterhalten.
Text: Roland Pongratz Fotos: Archiv Katrin Auer

Roland Pongratz: Liebe Katrin, Du betreibst seit einiger Zeit den Podcast JÄM. Magst Du uns erzählen, wie die Idee dazu entstanden ist und was sich genau dahinter verbirgt?

Katrin Auer: Tatsächlich hat der Gedanke zum Podcast JÄM in der Coronazeit immer mehr Form angenommen. Ausgelöst wurde dieser Gedanke durch die starken Restriktionen für Künstler in der Kulturbranche. Natürlich möchte ich jetzt keine Diskussion anstoßen, welche Berufsbereiche für eine Gesellschaft mehr oder weniger essenziell sind. Doch war da das Gefühl in der Luft, Musik und das Kulturleben werden als selbstverständlich – zum Beispiel Streamingdienste – oder eben auch als nicht bedingt notwendig betrachtet. Das lässt einen als Künstlerin schon nachdenklich werden. Als ich dann im Jahr 2021 für ein Auslandssemester in die Mongolei ging und viele Leute zu mir sagten, ich solle darüber in irgendeiner Form berichten war die Idee zum Podcast so gut wie definitiv.

Katrin Auer

Aus der Mongolei kam ja dann auch die erste Folge. Ich hatte dort auch intensiv Zeit mir Gedanken zu machen, wie genau das Konzept aussehen soll. Im Podcast JÄM lade ich monatlich Künstler aus der Musik- und Kulturbranche zum Gespräch, oder auch mal Persönlichkeiten, denen Kultur am Herzen liegt. Einblicke in ihre Arbeit mit all den schönen Erlebnissen bekommen die Zuhörer ebenso zu hören wie auch mal Kehrseiten des Berufs, Misserfolge, die harte Disziplin, die ein jeder der künstlerischen Berufe abverlangt. Mein Wunsch ist es, dass der Beruf dieser Menschen wieder mehr wertgeschätzt wird, dass wieder bewusster Musik gehört oder Film geschaut wird, vor allem wenn diese durch all die Streamingdienste für wenig Geld jederzeit konsumiert werden können. Dass wieder mehr in Konzerte, Theater, Lesungen gegangen wird und wir einfach merken: wir brauchen Kultur. Entschuldige, da komme ich ganz in Rage und kann nicht aufhören zu erzählen. Aber eins noch zum Konzept: Um die emotionale Kraft von Musik zu zeigen, werden in jeder Folge ein paar Musiktitel eingespielt, entweder Musik vom jeweiligen Gast, wenn möglich, oder eben Musik, die zur Thematik passt. Das ist tatsächlich etwas ungewöhnlich für ein Podcast-Format, wo ja eigentlich nur gesprochen wird.

»Wir brauchen Kultur!«

In der Zwischenzeit hast Du schon ein gutes Dutzend Kulturschaffende in Deinem Podcast zu Gast gehabt. Wie suchst Du sie aus? Was interessiert Dich an ihnen?

Ein wichtiger Punkt war und ist für mich, dass zu JÄM Gäste kommen, über die man eh nicht schon ständig hört, liest und somit auch auf Künstler hingewiesen werden kann, die vielleicht noch ein Geheimtipp sind und denen weniger Plattformen zur Verfügung stehen. Denn schaltet man unsere Radiosender, Zeitungen und andere Kanäle ein bzw. auf, dann hört und liest man doch hauptsächlich von bekannten Künstlern oder schon etablierten Bands. Nachwuchskünstler oder wie ich gerne sage »Nicht-Mainstream-Künstler«, egal ob in der Musik, am Theater, Film, haben es schon sehr schwer. Oftmals schaue ich bei der Auswahl intensiv in meinen Bekanntenkreis nach Personen, die ich irgendwo mal durch meinen Beruf kennen gelernt habe. Denn ich habe schon gemerkt, dass so viele aus dem persönlichen Umfeld großartige Geschichten und Lebenswege zu erzählen haben.

Oder ich überlege mir, welche Sparte oder Rubrik im Musik-/Kulturbereich interessant wäre und schreibe dann ganz frech jemand per Mail an, auch wenn ich die Person nicht kenne. Dabei kann ich nun nicht pauschal sagen, was mich an ihnen interessiert. Wenn ich mich in eine Person eingelesen habe, bekomme ich ein Gefühl, was mich, was meine Zuhörer ansprechen kann. Meistens stelle ich mir aber die Fragen: kann ich in dem Gespräch mit dem potenziellen Gast tiefer gehen, als nur an der Oberfläche zu kratzen, gibt es etwas, was zum Beispiel junge Künstler von dieser Person lernen können, ist da was, wo sich der Zuhörer denkt, »Wow, das war mir bis jetzt so nicht bewusst …«?

Was fasziniert Dich an den Menschen, mit denen Du ein Interview führst, am meisten?

Auch hier gibt es keine pauschale Antwort, weil mich tatsächlich bei jedem meiner Gäste etwas anderes faszinierte. Jetzt könnte ich tatsächlich zu all den 15 Episoden und zu jedem Gast ein Beispiel geben, denn die Gespräche wirken bei mir sehr lange nach. Oftmals habe ich mir während des Schneidens des Podcasts Sätze rausgeschrieben, die mir besonders gut gefallen. So Zitate wie »Musik hebt uns auf ein anderes Level«, »Jeder Tag und jedes Detail zählt«, »Es gibt nix Schlechtes, wenn nix Gutes dabei ist«. Möchte man eine gemeinsame Faszination finden, dann ist das sicherlich die Leidenschaft und wirklich intensive Freude am jeweiligen künstlerischen Beruf, oder die Begeisterung für Musik, Kunst, Film. Das Durchhaltevermögen, die Disziplin oder auch mal das Weitermachen nach Rückschlägen. Aber zu Letzterem brauchen wir sicher keinen Podcast dazu, denn das kennt sicherlich jeder.

Gabs auch schon besonders rührende oder komische Momente?

Eine interessante Begegnung war etwa mit der Harfenistin Katrin Unterlercher. Wir kannten uns vorher nicht. Den Podcast haben wir dann bei meiner Tante, auf halber Wegstrecke, aufgenommen. Nach dem gemeinsamen Kaffee und der Podcast-Aufnahme hatten wir dann aber echt das Gefühl, wir kennen uns schon ewig. Über so Begegnungen bin ich sehr dankbar. Eine bewegende Aufnahme war auch mit der armenischen Pianistin Margarita Oganesjan, die sich nach dem Release der Folge so herzlich beim mir bedankt hat, dass ich ihre Geschichte aufgezeichnet habe. Sie ist als Kind ohne ihre Eltern aus Armenien geflohen, weil dort der Krieg ausgebrochen ist. Und zwei Monate nach dem Erscheinen der Folge im August 2023, war dieser schreckliche Krieg dort wieder ganz präsent.

Katrin Auer

Machst Du das alles allein?

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich im Vorfeld nicht, wie viel Arbeit ein Podcast macht. Die meiste Zeit geht für die Recherche und Interviewvorbereitung drauf, dann fürs Einpflegen der Infos über den Hoster und das Schneiden einer Folge. Also ich kürze eigentlich nie ein Interview, aber manchmal schneide ich ein paar Ähms [schmunzelt] raus, oder füge eben die Musiktitel dazu. Wenn das gemacht ist, hilft mir mein Bruder, Hansi Auer, mit dem Mastering, das heißt er schaut, dass der Klang ausgewogen ist und sich alles für Kopfhörer angenehm anhört. Meine Schwester Vroni hilft mir mit Social Media, also Instagram, da kenne ich mich nicht so aus. Und mein Freund, Josef Steinbacher, der auch Musiker ist, steht mir immer mit Rat und Tat zur Seite, muss sich meine Intros anhören oder teilt mir mit, was ihn an der Person interessieren würde.

Wie finanziert sich so ein Podcast?

Eigentlich finanziert sich so etwas erst, wenn man riesig ist und Zigtausende Hörer hat. Das ist ja auch ok und war nie meine Intension mit JÄM. Klar, die Ausgaben sind schon da, vom Equipment abgesehen sind das Gebühren für den Hoster – über den ein Podcast zu den Streaming-Portalen ausgespielt wird –, aber eben auch Kosten für Softwareprogramme oder GEMA Kosten für die Musik, die ich spiele, das ist mir eben wichtig. Viel krasser ist eigentlich die Zeit, denn jede Folge beansprucht ca. 2030 Stunden. Zeit, in der ich üben oder eine andere Arbeit meiner Selbständigkeit machen könnte. Mei, früher habe ich viel Sport gemacht, jetzt ist eben JÄM mein Hobby. In Zukunft werde ich versuchen für einzelne Folgen passende Sponsoren zu finden, um die Fixkosten etwas zu minimieren.

Du stammst aus einer Musikantenfamilie. Was machst Du eigentlich, wenn Du nicht gerade die nächste JÄM-Folge vorbereitest?

Ja, das frage ich mich auf oft …. [lacht] Nein, quatsch. Zusammen mit meiner Familie haben wir in Hammerau eine private Musikschule, die Musikwerkstatt Auer. Dort unterrichte ich einmal in der Woche und kümmere mich um die administrativen Dinge. Ansonsten bin ich mit der Band Reiwas unterwegs, auf Konzerten, Gigs oder am Proben. Hier gehört auch die Booking-Arbeit dazu und alles Weitere, was es so braucht, um sich als Band im künstlerischen Leben zu manifestieren. Auch das Üben von Kontrabass und Ziach versuche ich als festen Bestandteil meines Berufs in den Alltag zu integrieren. Und dann kommt es meistens eh anders, als man denkt und dieses und jenes noch dazu …

Welche Themen stehen in den kommenden Monaten auf dem Programm?

Was JÄM betrifft werde ich nach wie vor ein Mal im Monat einen Gast interviewen. Vielleicht fahre ich dafür bald auch mal nach Wien … Und mit jemandem aus dem Kabarett oder dem Bereich der Satire möchte ich unbedingt bald eine Folge machen. Generell finde ich, dass eigentlich alle meine Gäste so eine superspannende Arbeit machen, so viel Bewegendes und Interessantes zu erzählen haben, so dass ich versuchen werde, den Podcast noch mehr zu pushen, damit mehr Leute von ihnen mitbekommen. Das braucht aber noch eine gute Strategie, denn unter Tausenden von Podcasts wird man nicht so schnell gefunden.

Letzte Frage: Wer sucht eigentlich die Musik aus, die bei den verschiedenen Folgen erklingt?

Oftmals kann ich Musik vom jeweiligen Gast spielen, wenn er oder sie musikalisch tätig ist. Die genauen Titel suchen wir dann gemeinsam aus. Ansonsten ist es ja das Schöne an der Musik, dass jeder einen Bezug zu ihr hat, entweder durch ein Lieblingsalbum, eine Erinnerung … das kann ich dem Gegenüber im Gespräch dann schon entlocken und wir können es gemeinsam mit unseren Zuhörern lauschen.

Liebe Katrin, vielen Dank für die interessanten Einblicke. Gerne halten wir unsere »zwiefach«-Leser auch zukünftig über Deine Podcast-Aktivitäten auf dem Laufenden.

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