KlangZeit

Weltmusikalische Frischluft

31. August 2023

Lesezeit: 6 Minute(n)

Hinter KlangZeit verbirgt sich das musikalische Duo von Finni ­Melchior und Hansi Zeller. Die Tonmeisterin und Geigerin sowie der Musikschullehrer und Akkordeonist entwickeln mit ihrer Musik ­besondere Klangerlebnisse, die sich aus verschiedensten Musikrichtungen speisen. Unser »zwiefach«-Redaktionsmitglied Magnus Kaindl hat die beiden zu Hause in Breitbrunn am Ammersee besucht.
Text: Magnus Kaindl Fotos: KlangZeit, F. Fürbacher

»KlangZeit ist wie Brotzeit

Magnus Kaindl: Liebe Finni, lieber Hansi, starten wir mit der wohl häufig gestellten Frage: Wie seid ihr auf den NamenKlangZeitgekommen?

Hansi Zeller: [schmunzelt] Wir haben relativ lange nach einem passenden Namen für uns gesucht. Da wir von Haus aus neugierig auf Neues sind und gerne ausprobieren, wussten wir, dass er nicht zu traditionell sein sollte. Mit KlangZeit verbinden wir schließlich das, was Musik für uns ausmacht und wie sich Musik in uns verbindet – über den Klang und die Zeit miteinander.

Finni Melchior: Wir ergänzen mittlerweile gerne: Klangzeit ist wie Brotzeit. Eben die Zeit, die man sich bewusst nimmt, sei es für den Klang oder auch das Essen.

Eure erste CD heißt ­Weltmusikalische Frischluft. Ihr seid aber durchaus mit der regionalen Volksmusik aufgewachsen und verbandelt, oder?

Hansi Zeller: Ich habe mit fünf Jahren auf dem Akkordeon zu spielen begonnen. Das war aber eher die klassische Akkordeonliteratur, weniger die Volksmusik. Im Allgäu, wo ich aufgewachsen bin, gab es natürlich eine Blasmusik, in der ich ein paar Jahre Trompete gespielt habe. Ich erinnere mich gerne auch an die Sommer- und Seefeste bei uns im Dorf, wo ich als Schüler mit meinem Spezl für Touristen gejodelt habe. Als Dank dafür gab es meine erste Maß Radler. Als Jugendlicher wollte ich dann lieber in einer Rock- oder Party-Band spielen und gründete deshalb mit 15 Jahren Happy Jack. Dort waren ganz andere Stilrichtungen gefragt.

So richtig eingetaucht in die Volksmusik bin ich erst als Musiklehrer bei der Münchner Schule für Bairische Musik, in der ich ganze 18 Jahre lang gerne unterrichtet habe. Mit 30 kam ich mit Franz Benton in Kontakt, einem bekannten deutschen Singer- und Songwriter, mit dem ich ein paar Jahre durch Deutschland getourt bin. Mehrere Jahre war ich auch Akkordeonist bei einem Tango-Sextett. So kamen die ganzen unterschiedlichen Stile und Einflüsse zusammen, die in KlangZeit mit einfließen.

Finni Melchior: Meine Eltern hatten die Breitbrunner Stubenmusi: die Mama an der Zither und der Papa am Hackbrett, die Großcousine Harfe, dazu noch Gitarre und Kontrabass. Wir hatten eine Bäckerei daheim und ich erlebte die Probenabende bei uns immer als etwas tolles, weil meine Eltern glücklich und entspannt waren – eine Auszeit vom Alltag, die ihnen gehörte. Volksmusik habe ich also immer mit positiven Gefühlen verbunden.

Eines Tages brachte der Kontrabassist seine Tochter zur Probe mit: Christine Schreiner von den Schreinergeigern – von da an wollte ich unbedingt auch Geige lernen. Als 13-jährige war ich dann mit ihr das erste Mal auf einem Seminar bei Rudi Pietsch. Der Rudi hat mich voll gepackt. Das freie Spielen von ihm und viele Auftritte mit den Schreinergeigern haben mich sehr geprägt, neben dem klassischen Geigenunterricht zu Hause und im Orchester. Die Klassik war auch immer ein wichtiges musikalisches Standbein.

 Dich hat es dann nach Wien verschlagen?

Finni Melchior: Mein Tonmeisterstudium habe ich tatsächlich in Wien absolviert, weil ich so begeistert von Rudi Pietsch war. Das Studium ist ja ein halbes Musik- und Technikstudium und innerhalb des Musikstudiums war mein Hauptinstrument Geige. Und ich habe freilich regelmäßig Kurse beim Rudi besucht. In Wien bin ich darüber hinaus auch mit neuer Volksmusik und Weltmusik in Berührung gekommen. Als ich nach München zurückgekommen bin, habe ich angefangen, Wiener Lieder zu spielen. Das war mein Weg in die Improvisation.

Euer Programm besteht überwiegend aus selbstkomponierten Melodien. Wie beschreibt ihr den Entstehungsprozess, bis es ein Stück auf die Bühne schafft?

Hansi Zeller: Ich sag immer, die Stücke kommen zu mir. Ich setze mich ans Instrument, probiere ein wenig aus und spüre, ob da was raus mag oder nicht. Meistens geht’s dann auch ganz schnell, dass eine neue Melodie da ist.

Finni Melchior: Hansi komponiert in der Regel nicht speziell für unsere Besetzung. Wenn er das Gefühl hat, eine neue Melodie könnte für KlangZeit passen, spielt er sie mir vor. Er entwirft sozusagen das Stück und dieses Grundgerüst gestalten wir gemeinsam aus.

Hansi Zeller: [lacht] Ich habe immer eine Vorstellung, wie die Geige klingen soll und sage dann der Finni, was sie machen könnte. Sie macht das meistens auf Anhieb so gut, dass mir nichts mehr einfällt und es passt.

Finni Melchior: [schmunzelt] Ich bringe schon auch meine Vorschläge und Vorstellungen ein. Aber wir arrangieren die Stücke nicht en Detail aus. Und Notenblätter gibt es bei uns sowieso keine. Die Musikalität und Intensität entstehen im Hier und Jetzt, die kann man nicht proben. Wir können uns wahnsinnig gut miteinander verbinden. Da hilft es uns tatsächlich auch, dass wir ein Paar sind. Wir machen beim Spielen ein gemeinsames Feld auf, wo wir beide uns reinbaden. Wenn uns ein Musikstück gepackt hat, dann führen wir es gerne live auf und sind gespannt auf die Reaktionen des Publikums.

Das klingt so, als ob ihr bei euren Konzerten ein hohes Maß an Spontanität lebt?

Finni Melchior: Musikalisch sowieso und bei der Stückauswahl kommt es immer auf die Anlässe an, bei denen wir spielen. Durch unser breitgefächertes Repertoire ist das Publikum auch total vielfältig. Uns ist es ganz wichtig, einen emotionalen Draht zum Publikum zu haben – dass ein energetischer Austausch da ist.

Hansi Zeller: Die Nähe zum Publikum durch die Musik muss greifbar sein. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass wir das Programm noch während des Auftritts umstellen, weil wir das Gefühl haben, dieses oder jene Stück passt jetzt besser. Was wir oft hören sind Sätze wie: »Ihr habt mein Herz berührt!« oder auch »Bei euch spürt man die Spielfreude!« Ich glaube, das kann nur sein, wenn Musik im Moment entsteht und in diesem Moment alles beinhaltet ist – der Raum, die Bühne, jeder einzelne im Publikum – und das gelingt am besten, wenn man als Künstler im gegenwärtigen Augenblick ist. Wer sich dafür öffnet, nimmt daran teil an dem Ganzen – so erklär ich mir, dass unsere Musik berührt.

Finni Melchior: Ich habe auch häufig Gänsehaut auf der Bühne. Wir legen unsere ganze Emotionalität ins Programm und erleben das dann so beim Konzert. Alles in allem ist das sehr erfüllend, was wir tun.

Als KlangZeit seid ihr im Duo unterwegs. Ihr holt euch aber gerne musikalische Verstärkung dazu?

Hansi Zeller: Ich habe lange im Duo mit dem Harfenisten Kiko Pedrozo gespielt. Kiko und ich waren die Begleitband von Franz Benton. Als Franz aufgehört hat, haben Kiko und ich zu zweit weitergemacht. Wir waren überwiegend auf Kleinkunstbühnen unterwegs. Kiko stammt aus Paraguay und von ihm habe ich viele südamerikanische Musikeinflüsse aufnehmen dürfen.

Ja, und dann habe ich irgendwann die Finni kennengelernt und so hat sich die Musikalität und auch die Musikrichtung wieder in eine andere Richtung entwickelt. Wir spielen aber auch immer gerne im Trio mit Kiko.

Finni Melchior: Es macht Spaß, wenn Kiko wie ein Wirbelwind über die Saiten zupft. Jüngst haben wir uns auch mit einer Sängerin und Pianistin zu einem Tango-Quartett zusammengefunden und ein Konzert u. a. in der Kulturkirche Breitbrunn gegeben.

Hansi Zeller: Ich spiele sehr gerne Tango. Irgendwie liegt mir diese Musik, die ja auch eine Art Volksmusik ist mit ihren emotionalen Ausbrüchen und Höhen und Tiefen.

Welcher Auftritt oder welches Ereignis ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Finni Melchior: Dazu gehört der Steckbrief von Bayern 2. Dort wird jeden Monat eine Band mit Klangbeispielen und Interview vorgestellt. Das Publikum kann online abstimmen, wer Preisträger eines Jahres wird. 2019 haben wir den 2. Preis ergattert. Das Preisträgerkonzert in Bayreuth war absolut spannend, weil die Siegerband eher eine Party-Band war und wir in einer Club-Atmosphäre eingebunden waren, die zunächst total ungewohnt für uns war. Das war am Anfang schon speziell, aber wir haben das Publikum trotzdem irgendwie gepackt.

Besonders finde ich auch unsere Auftritte direkt hier im Ort in der der Kulturkirche Breitbrunn, deren Programm ich ehrenamtlich gestalte. Diesen Heimvorteil bei den Konzerten genießen wir natürlich besonders.

Hansi Zeller: Wenn wir in unserer Energie sind beim Spielen, finde ich jedes Konzert wahnsinnig schön. Dann machen wir Musik, die ehrlich und authentisch ist und es ist mir egal, ob wir vor 50 oder mehreren Hundert Leuten spielen.

Wie sieht eure nähere musikalische Zukunft aus?

Hansi Zeller: Wir haben heuer in den Osterferien Stücke für eine neue CD eingespielt und eingesungen.

Finni Melchior: Als Tonmeisterin werde ich die Musik selbst schneiden und mischen. Aber das wird vermutlich noch bis zum Sommer 2024 dauern. Wir haben auch ein paar Stücke mit Kiko aufgenommen und es wird natürlich einen neuen Titel geben – den verraten wir aber noch nicht.

Auf neue Eindrücke eurer weltmusikalischen Reisen dürfen wir uns also alle freuen! Herzlichen Dank für eure Zeit und die spannenden Einblicke in eure musikalische Welt.

    Unser Redaktionstipp:

    Johann Hansi Zeller hat neben vielen Eigenkompositionen auch eine Akkordeonschule in drei Bänden entwickelt. Eingeflossen sind überwiegend selbst komponierte Musikstücke in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die von Anfang an verschiedene Genres in Moll und Dur bedienen.

    Viele Stücke sind auf seinem YouTube-Kanal zu hören und zu sehen, sodass man sie jederzeit nachspielen und nachhören kann: https://www.youtube.com/@johannzeller9597/videos

    Auch im aktuellen Notenteil der »zwiefach« findet sich ein Zwiefacher von Hansi Zeller – Caspars Reise. Weitere Noten für verschiedene Besetzungen sind hier zu finden: https://www.johann-zeller.com/

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