Volkstanzfusion

Karibik trifft den Alpenraum

28. April 2026

Lesezeit: 4 Minute(n)

Text: Barbara Strametz
Fotos: Katharina Schiffl

Uno, dos, tres – cinco, seis, siete« – und wieder von vorne. Rechts zurück, links nach vorne. Ein völlig neues rhythmisches Gefühl. Ob das auch dieselben Beine schaffen, die sonst hauptsächlich auf Boarisch, Walzer und Polka eingetanzt sind?

»Unter Druck wächst die Palme«

So ganz neu war dieser Tanzstil dann ja doch nicht. Bereits im Jahr 2022 durften wir, also die Volkstanzgruppe St. Martin im Sulmtal aus der Steiermark in Österreich, für die ORF-Produktion Aufsteirern – Die Show der Volkskultur gemeinsam mit zwei ganz besonderen Persönlichkeiten einen Tanzauftritt vorbereiten und dann auf der Bühne der Kasematten in Graz präsentieren. Bekannt aus der Fernsehshow Dancing Stars, ist Balázs Ekker für viele ein Begriff. Gemeinsam mit seiner Frau Alice Guschelbauer sind die beiden in der Welt des Tanzes äußerst erfolgreich und leiten eine Tanzschule in Ungarn. Das Konzept der Aufsteirern-Fernsehshow brachte uns mit diesen beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten zusammen und der Auftrag lautete schon damals, unsere Tanzstile miteinander zu verknüpfen.

Nicht nur ich, sondern wir alle waren vor dem ersten Treffen extrem nervös, galt Balázs Ekker doch immer als strengster Juror bei Dancing Stars. Nach der ersten gemeinsamen Einheit konnten wir jedoch zwei Dinge feststellen: 1. Salsa ist echt gar nicht so einfach. 2. Balázs Ekker war nicht nur ein hervorragender Tänzer, sondern auch äußerst sympathisch, lustig und unglaublich motiviert, diese beiden Tanzstile miteinander in Verbindung zu bringen. Trotz der Schwierigkeit, die der Salsa-Tanz mit sich brachte, wuchs mit all den Proben für den Auftritt auch die Freude an diesem Stil. Um Balázs bei einer der ersten Proben zu zitieren: »Unter Druck wächst die Palme!«. Ein ungarisches Sprichwort, das er als Motivation für uns ins Deutsche übersetzte – und es zeigte Wirkung. Am Ende konnten wir eine tolle Kombination aus Boarisch und Salsa auf die Bühne zaubern.

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Die Reise geht weiter …

Immer in guter Erinnerung hielten wir diesen Auftritt und auch die dafür notwendigen Vorbereitungen. Leider blieben weitere Salsa-Anfragen für unsere Volkstanzgruppe vorerst aus, und somit geriet dieser Stil für uns wieder etwas in Vergessenheit – bis zum letzten Jahr. Denn da wurden wir gefragt, ob wir nicht Lust hätten, bei der Eröffnung des Balls

der Pharmazie in der Wiener Hofburg im Januar 2026 mitzuwirken. Die Veranstalter baten darum, keine reine Volkstanz-Darbietung zu präsentieren, sondern auch etwas Modernes einfließen zu lassen. Was würde da besser passen, als den heißgeliebten Salsa einzubauen? Wir schmiedeten Pläne und versuchten, eine Choreografie zu entwickeln, bei der wir all unsere verschiedenen tänzerischen Facetten zeigen konnten. So wurden zu Beginn die Fahnen geschwungen und anschließend, ebenfalls von den Männern, ein Schuhplattler zum Besten gegeben. Danach durften auch die Damen dazukommen und wir zeigten einen flotten Boarischen, der dann fließend in den Salsa überging. Bei den Proben mussten wir erkennen, dass doch einiges vom damaligen Auftritt in Vergessenheit geraten war. Doch dank unseres äußerst engagierten Tanzleiters wurde fleißig geprobt, Schritte wurden neu erklärt und eine Choreografie wurde erstellt, die zu uns passte. In der Advent- und Weihnachtszeit wurde geübt und es wuchs die Vorfreude darauf, einen Mix aus all diesen Tänzen präsentieren zu dürfen.

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Volkstanz-Fusion in Action

Am 17. Januar 2026 war es dann soweit. Wir fuhren gemeinsam mit dem Bus von der Südweststeiermark über Graz, wo wir Stopp für Stopp all unsere Mitglieder einsammelten, in die Bundeshauptstadt. In der Hofburg angekommen, durften wir gleich in dem wunderschön geschmückten Saal eine Generalprobe durchführen. Perfekte Organisation und eine sehr vielfältige Eröffnung zeigten uns, dass dieser Abend ein ganz besonderer werden würde. Wir schlüpften in der Garderobe in unsere schönsten Trachten und waren bereit für unseren Auftritt. Nicht nur bereit, sondern ab jetzt auch immer und überall erkennbar, denn die Tracht als Kleidung für den Ball war für diesen Abend nur uns erlaubt worden. Alle anderen Besucherinnen und Besucher trugen klassische Abendkleidung. Die großen Augen und verwunderten Blicke fassten wir durchwegs als Komplimente auf.

Die Eröffnung begann, viele hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, dem öffentlichen Leben und vor allem der Apothekerkammer und Universitäten zogen in den Ballsaal ein und machten sich bereit, die Eröffnung und somit auch unsere Volkstanz-Fusion zu erleben. Wir, durch und durch nervös, aber vor allem sehr gut gelaunt und topmotiviert, zeigten eine äußerst sehenswürdige Darbietung unserer Choreografie.

Während des gesamten restlichen Ballabends konnten wir nicht nur einen exquisiten Wiener Ball erleben, sondern wurden von verschiedenen Personen mit sehr positivem Feedback zu unserer Darbietung gelobt. Auf die anfängliche Frage, die sich vermutlich in den Köpfen von manch einem aufgetan hat – ob eine Kombination aus Salsa und traditionellem österreichischem Volkstanz wirklich erfolgreich dargeboten werden kann – können wir somit mit einem klaren »Ja!« antworten.

Treffpunkt: Salsa und ­österreichischer Volkstanz

Die Musik beider Tanzstile verlangt von Tänzerin und Tänzer ein äußerst gutes Taktgefühl, eine sofortige Reaktion auf musikalische Akzente und vor allem aber eine lebendige Interpretation. Durch den Tanz kann man erst auf das Gefühl, das durch die Musik vermittelt wird, richtig eingehen und sich gänzlich darin verlieren. Das bedeutet für mich persönlich pure Freude, Emotionen und Glücksgefühle.

Salsa steht, wie auch der traditionelle österreichische Volkstanz, für Gemeinschaft und Geselligkeit. Um Bällen und Festen richtiges Leben einzuhauchen und somit Tanzen als Teil der Kultur zu leben, werden beide Stile gleichermaßen benötigt. Die Fusion aus beidem macht es möglich, dass man eine Mischung aus fixen Figuren, aufrechtem Stand (traditioneller österreichischer Volkstanz) und einem Flow-Gefühl, lockerer Hüfte und fließenden Bewegungen (Salsa) erlebt.

Wenn karibische Rhythmik auf alpenländische Bodenständigkeit trifft, entsteht kein Widerspruch, sondern ein großartiges Erlebnis, denn Tradition ist nichts Starres – sie lebt, wenn sie sich bewegt.

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Aufmacher:
Die Volkstanzgruppe St. Martin im Sulmtal beim Ball der Pharmazie in der Wiener Hofburg, 2026. E

Mehr zur Volkstanzgruppe St. Martin im Sulmtal

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Ein Artikel in Kooperation mit dem Steirischen Volksliedwerk.

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