Text und Fotos: Franziska Doser
Elegant über den Tanzboden zu schweben, das wünschen sich viele Tänzer. Damit das funktioniert, braucht es viel Übung, vielleicht a bisserl Talent, aber vor allem braucht es dazu … gute Tanzschuhe! Tanzschuhe gibt es in vielen unterschiedlichen Varianten. Schuhmachermeister Simon Doser fertigt in seiner Werkstatt in Schwindkirchen bei Dorfen im Landkreis Erding verschiedenste Schuhe, vor allem Trachtenschuhe, die sich auch hervorragend zum Tanzen eignen. Sein Spezialgebiet sind die Schuhe für Volkstänzer, Schuhplattler und Dirndl, die er selbst herstellt.
Alte Leisten, neues Leben
2014 begann Simon Doser seine Ausbildung zum Schuhmacher bei der Firma Meindl in Kirchanschöring. Einige Jahre später besuchte er die Meisterschule in Frankfurt und baute seine beruflichen Fertigkeiten immer weiter aus. Im Jahre 2017 erhielt er die einmalige Gelegenheit, die Schuhmacherwerkstatt vom bewährten Schuhmachermeister Johann Sclearescu aus Neumarkt St. Veit zu übernehmen. So begann für die vielen Maschinen, von denen die meisten schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel haben, ein neues Leben in der Werkstatt von Simon Doser, nun in Schwindkirchen.
Im Mittelpunkt steht der Halt
Simon Doser ist selbst als Trachtler und Tänzer aktiv und kann sich deshalb gut in die Lage seiner Kunden, in ihre Wünsche und Vorstellungen hineinversetzen. Tanzschuhe gibt es in verschiedensten Ausführungen, mit und ohne Absatz, geschlossen oder offene und in allen denkbaren Lederarten und -farben. Aber egal welche Form und Ausführung, einige Eigenschaften verbinden sie alle und trennen schnell die Spreu vom Weizen: Ein Tanzschuh sollte flexibel sein, eng anliegen, ein guter Fersensitz ist wichtig und der Träger soll einen ausgezeichneten Halt haben. Es wird gern ein weiches Leder verwendet, sodass der Tänzer große Bewegungsfreiheit hat und im Optimalfall nicht einmal spürt, dass er Schuhe trägt.
Es lässt sich beobachten, dass Leute generell durch das Tragen vieler lockerer Schuhe nicht mehr daran gewöhnt sind, dass Schuhe wirklich eng anliegen, was aber eine wichtige Eigenschaft eines guten Tanzschuhes ist. Da muss sich der eine oder andere vielleicht erst daran gewöhnen.
Was natürlich charakteristisch ist, ist die Ledersohle des Tanzschuhs und warum sie so wichtig ist, liegt auf der Hand: Durch die glatte Sohle sind kontrollierte und dennoch geschmeidige Bewegungen möglich und auch der Tanzboden erfreut sich mehr an Tanzschuhen mit geeigneter Sohle als über Steinchen, Gummirückstände oder Ähnlichem, das ungeeignetes Schuhwerk gerne auf ihm hinterlässt.
Schuhe zum Plattln und Drahn
Betrachtet man den klassischen Plattlerschuh, den Gauplattler, der mit flachem Absatz und einer Seitenschnürung mit Haken zum Platteln in verschiedenen Gauverbänden hergenommen wird, ist zu erkennen, dass auch hier die Beschaffenheit des Schuhs von großer Bedeutung ist. Der Schuh soll in Sprüngen und beim Federn Halt verleihen und die Schläge beim Plattln auf die Schuhe sollen schnalzen. In zahlreichen anderen Vereinen tragen auch Männer zum Plattln Schuhe mit Absätzen, was übrigens früher generell öfter der Fall war. Man nennt die Modelle Miesbacher Buam und sie sind mit aufwändigeren Nähten gestaltet und erfüllen alle Kriterien, die ein guter Tanzschuh braucht.
Beim Dirndldrehen werden von den Damen überwiegend Spangenschuhe und Haferlschuhe getragen. Wie beschrieben ist es wichtig, dass die Schuhe sehr flexibel sind, da in einigen Regionen auf das Drehen auf Zehenspitzen großer Wert gelegt wird. Aber auch beim Drehen auf dem Absatz, wobei diese Dirndl meistens Spangenschuhe mit einem höheren Stöckerl tragen, unterstützen diese die Tänzerinnen in ihren Bewegungsabläufen und machen obendrein auch optisch was her.
Beim Plattln und Drehen werden in vielen Regionen Wettkämpfe ausgetragen und neben der Rolle, die die passenden Tanzschuhe für ein gutes Bewegungsergebnis spielen ist der optische gute Eindruck, den die Tanzschuhe verleihen, bei der Bewertung nicht außer Acht zu lassen.
Von der Sandale bis zum Stiefel
Nicht nur Trachtenschuhe eignen sich hervorragend zum Tanzen. Grundsätzlich gibt es von der offenen Sandale bis hin zum hohen Stiefel verschiedenstes Schuhwerk, das zum Tanzen getragen werden kann, solange es einen guten Halt gibt, eng anliegt, eine passende Sohle hat und sich an die Bedürfnisse und optischen Wünsche des Tänzers anpasst. Der Tänzer spart sich durch die richtigen Tanzschuhe Kräfte, die Bewegungen fallen viel leichter und nebenbei werden auch noch die Gelenke geschont.
Simon Doser empfiehlt, seine Tanzschuhe vor dem ersten Einsatz einzugehen. Das Leder gibt im Normalfall noch nach und passt sich sodann perfekt der Fußform des Trägers an. Wie man so schön sagt, ist auch das einschwitzen gar nicht verkehrt, denn die Feuchtigkeit unterstützt den Anpassungsprozess noch zusätzlich.
Tanzbegeisterten, denen etwas an ihren Schuhen liegt, achten auf eine regelmäßige Pflege des Leders. Simon Doser hat auch für die Pflege der Sohle einen guten Tipp: Sie kann ab und an mit ein wenig Leinöl bestrichen werden. Dieses nährt das Leder und man hat länger Freude am treuen Tanzbegleiter.
Nichts ist unmöglich
»Grundsätzlich ist in der Ausführung alles möglich«, sagt der Schuhmachermeister. So kann man auf alle optischen Wünsche der Tänzer eingehen, da es sowohl bei Damen- als auch bei Herrenschuhen zahlreiche Möglichkeiten gibt, diese zu gestalten. Aber auch funktionale Wünsche wie zum Beispiel das Verwenden einer ganz dünnen oder auch gar keiner Vorderkappe (die Vorderkappe ist eine Versteifung im Bereich der Zehen), wenn beispielsweise das Ziel des Tänzers ist, weit auf Zehenspitzen gehen zu können.
Am wichtigsten ist jedoch, dass der Tanzschuh gern getragen wird und das wird er vor allem dann, wenn er gut passt und bequem ist. Und mit einem Schmunzeln fügt der Handwerksmeister noch hinzu: »Wenn hin und wieder Herren zu mir in die Werkstatt kommen, um sich einen Haferlschuh zu bestellen, sagen sie oft: ›Na, na, ich nehm’ eine Gummisohle, mit der kann ich wenns ist, auch Tanzen.‹ Worauf die Blicke der dazugehörigen Damen oft Gold wert sind. Oft folgen diesen Blicken dann Überredungskünste, dass doch die Schuhe mit Ledersohle viel schöner wären, um elegant über den Tanzboden zu schweben.«








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