editorial

zwiefach #03-2026

1. September 2026

Lesezeit: 2 Minute(n)

»Verloren sei uns der Tag, wo nicht ein Mal getanzt wurde!«

(Friedrich Nietzsche, 1884)

Liebe Sänger & ­Musikanten,
l
iebe Leserinnen & Leser!

Musik und Bewegung sind seit jeher eng miteinander verbunden. Schon in frühen Kulturen war Rhythmus nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar: Menschen tanzten, stampften und klatschten, um ihre Gefühle auszudrücken oder Gemeinschaft zu erleben. Diese Verbindung ist kein Zufall, sondern tief im menschlichen Körper verankert. Sobald wir Musik hören, reagiert unser Gehirn auf Tempo, Takt und Dynamik – oft, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken. Der Fuß beginnt zu wippen, der Kopf nickt im Takt, und manchmal entsteht ganz automatisch der Wunsch, sich im Raum zu bewegen.

Bewegung zur Musik kann viele Formen annehmen. Sie reicht vom freien Tanzen im Wohnzimmer bis hin zu choreografierten Aufführungen auf der Bühne. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand gut tanzen kann oder nicht – entscheidend ist das Erleben. Musik gibt Impulse, Bewegung gibt ihnen eine sichtbare Form. Zusammen schaffen sie eine Ausdrucksweise, die ohne Worte auskommt. Gerade deshalb wird Tanz oft als universelle Sprache bezeichnet, die Menschen über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg verbindet.

Auch aus gesundheitlicher Sicht ist die Kombination von Musik und Bewegung bedeutsam. Rhythmische Klänge können motivieren, länger aktiv zu bleiben, sei es beim Sport, beim Spazierengehen oder beim Training. Gleichzeitig wirkt Musik auf unsere Emotionen: Sie kann beruhigen, anregen oder sogar trösten. In Verbindung mit Bewegung verstärkt sich dieser Effekt häufig, da körperliche Aktivität zusätzlich Glückshormone freisetzt. So entsteht ein ganzheitliches Erlebnis, das Körper und Geist gleichermaßen anspricht.

In pädagogischen und therapeutischen Kontexten wird diese Verbindung gezielt genutzt. Kinder lernen durch Musik und Bewegung spielerisch Koordination, Rhythmusgefühl und Körperbewusstsein. In der Therapie kann Tanz helfen, Gefühle auszudrücken, die schwer in Worte zu fassen sind. Besonders in der Arbeit mit älteren Menschen oder Menschen mit neurologischen Erkrankungen zeigt sich, wie stark Musik Bewegungsimpulse aktivieren kann, selbst wenn andere Fähigkeiten eingeschränkt sind.

Letztlich zeigt sich: Musik und Bewegung gehören zusammen, weil sie beide grundlegende Ausdrucksformen des Menschseins sind. Sie ermöglichen es, Emotionen zu erleben, Gemeinschaft zu spüren – unmittelbar, körperlich und lebendig.

Also, nichts wie auf zum nächsten Maitanz, es lohnt sich. Vielleicht sehen wir uns an Pfingsten bei »drumherum – Das Volksmusikspektakel« in Regen – Tanzmusi gibt’s då gråd gnua!

Ihr Roland Pongratz

[Sie finden die Ausgabe #3-2026 der »zwiefach« hier im Archiv]

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