Fränkisch – Europäisch: Der Titel spricht für sich. Volksmusik ist dynamisch, nimmt Einflüsse aus anderen Regionen auf, verbindet Menschen durch Rhythmen, Texte, Klänge. Volksmusik: Das ist Weite und Heimat zugleich. Und grenzenlose Lebensfreude. Musizieren, singen und tanzen, Impulse erhalten: all das wird in geselligen Ensembles und spannenden Workshops erlebbar. Die Vermittlung überlieferter Musizierpraxis, traditioneller Lieder und Tänze aus Franken steht im Fokus. Zudem werden Tänze und Tanzmusik anderer europäischer Länder, die nach Franken gewandert sind, vermittelt. Die Verbindung Franken und Europa findet sich in den verschiedenen Angeboten wieder. Bestandteile des Lehrgangs sind unter anderem Singen und Tanzen im Plenum, Musizieren in Kleingruppen, Singen im Ensemble, Tanzgruppe, Workshops, Impulse und Abschlussabend. Team: Carolin Pruy-Popp, Dr. Angela Hager u. a. Informationen und Anmeldung: heimat-bayern.de.
Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V.
Singen mit Kindern – eine Jugendleiterfortbildung
Singen ist eine Ausdrucksform, die Kindern unbedingt beigebracht werden sollte. An diesem Tag zeigen die Referentinnen wie und was es dabei zu beachten gilt. Alle lernen verschiedene bayerische Kinderlieder und verbinden einige davon mit Bewegungen bzw. Tanz. Eingeladen sind sowohl Jugendleiter, Erzieherinnen und Lehrer als auch Tagesmütter oder Eltern bzw. Großeltern und alle, die mit Kindern musikalisch tätig sind oder werden möchten. Leitung: Saskia Krügelstein und Simone Lautenschlager.
Trachtenkulturzentrum Holzhausen, Holzhausen 1, Geisenhausen • 27.–28. März 2026
Saitenmusikwochenende in Holzhausen am Ammersee
Saitenmusikfreunde kommen hier musikalisch voll auf ihre Kosten. Der Schwerpunkt dieses Wochenendes liegt auf dem Musizieren traditioneller Volksmusik aus dem Alpenraum, jedoch werden auch Ausflüge in andere Genres gemacht. Ebenso werden Workshops für Zitherspieler, Flöte & Co. sowie für freies Begleiten angeboten. Auch auf Vorschläge der Teilnehmer wird eingegangen. Herzlich willkommen sind Streicher, Holzbläser, Akkordeonspieler und alle weiteren Instrumente, die gerne die leiseren Töne erklingen lassen. Leitung und Organisation: Brigitte Schäffler.
BVS Holzhausen, Arnold-Platz 1-3, Holzhausen/Utting a. Ammersee • 27.–29. März 2026
Liederlust im Vierklangrausch
An diesem besonderen Singtag darf in der Mehrstimmigkeit gebadet und sich dem Klangrausch hingegeben werden. Die vier erfahrenen Singleiter Dagmar Held, Christoph Lambertz, Simone Lautenschlager und Franz Schötz unterstützen dabei jeweils eine Singstimme, so dass man sich in kürzester Zeit in der Mehrstimmigkeit befindet. Gesungen werden Lieder aus vielen verschiedenen Gegenden Bayerns und dem Sudetenland.
Haus des Deutschen Ostens, Am Lilienberg 5, München • Samstag, 14. März 2026, 10.00 – 17.00 Uhr
Fränkisch g’spielt, g’sungen und getanzt
Freude beim miteinander Musizieren, Singen und Tanzen erleben, dabei die Lust spüren, sich musikalisch auszudrücken und darüber hinaus Kenntnisse über Prinzipien traditioneller Musizierpraxis erfahren – das sind die Ziele bei den traditionellen Wochenendtreffen fränkischer Musikantinnen und Musikanten in Hammelburg. Die Teilnehmenden musizieren in Gruppen aus alten Notenhandschriften, neuen Veröffentlichungen oder auch ohne Noten (z. B. nach alten Schellackaufnahmen fränkischer Bauernkapellen). Daneben kann man in einer Singstunde und einer Tanzstunde einige Lieder und Tänze aus fränkischer Überlieferung kennenlernen. Am Samstagabend spielen alle Gruppen bei einem festlichen Abschlussabend zum Tanz bzw. zum Zuhören auf. Der Sonntagmorgen ist verschiedenen Workshops gewidmet. Team: Franz Josef Schramm (Ltg.), Franziska Aumüller, Ulrike Aumüller, Lissy Heilgenthal, Karin Scholz, Ferdinand Schramm, Rosemarie Seitz u. a.
Bayerische Musikakademie, Am Schloßberg, Hammelburg • 13.–15. März 2026
»Gönn dir ein Lied …«
»Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen«, sagte Yehudi Menuhin. Die Teilnehmer erleben einen Abend rund ums Singen: Mit kurzen Vorträgen, Klangbeispielen und vor allem gemeinsamen Gesang! Volksmusikpflegerinnen und -pfleger aus ganz Bayern stellen typische Lieder aus verschiedenen Regionen vor – vom fränkischen Tanzlied über niederbayerische Arien bis hin zum Allgäuer Jodler. Da kann die ganze bunte Vielfalt bayerischer Liedtradition entdeckt werden – singend! Den Abend gestalten: Sebastian Gröller, Alois Schmelz, Dagmar Held, Simone Lautenschlager, Carolin Pruy-Popp, Franz Schötz und Franz Josef Schramm.
GH Schmid, Kirchplatz 7, Tuntenhausen • Dienstag, 10. März 2026, 19.00 Uhr
Musikantenstammtisch mit Offenem Tanzen
Hier bietet sich die Möglichkeit, Tanzvergnügen zu erleben und das Gelernte anzuwenden – Musikanten, die Lust am freien Zusammenspielen haben sind dazu herzlich eingeladen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Leitung: Carolin Pruy-Popp, Martin Hick u. a. Anmeldung und Infos: KUFA Bamberg, +49 951 18972105, kufa@lebenshilfe-bamberg.de
KUFA Kulturfabrik – Kultur für Alle, Ohmstraße 3, Bamberg • Mittwoch, 25. Februar 2026, 19.00 – 22.00 Uhr
40. Oberpfälzer Frühjahrstreffen
Das traditionsreiche Oberpfälzer Frühjahrsseminar feiert sein 40. Jubiläum! Unter dem Motto Lied, Musik und Tanz in der Oberpfalz treffen sich wieder alle, die Lust auf gemeinsames Singen, Musizieren und Tanzen haben. Ein Wochenende voller Musik, guter Laune und echter Oberpfälzer Lebensfreude – von traditionellen Klängen bis zu neuen Ideen – erwartet die Teilnehmer! Leitung: Simone Lautenschlager und Florian Schwemin.
Evangelische Familienerholung Sulzbürg, Am Schloßberg 17, Mühlhausen • 27. Februar –1. März 2026
Vom Longway zur Lance – eine tänzerische Zeitreise
Viele Tanzfiguren wie Kette, Achter, Handtour oder dos à dos finden sich nicht nur in den alten englischen Tänzen, sondern haben ihren Weg auch in die bayerischen Française-Formen gefunden. Tanzmeister Peter Reichl wird wieder mit neu rekonstruierten Longways und Countrydances aus alten Tanzbüchern überraschen. Auch bayerische Tanzaufzeichnungen werden nach diesen Figuren erkundet.
Berufsfachschule für Musik, Mindelheimer Str. 47, Krumbach • Samstag, 28. Februar 2026, 10.00 – 17.00 Uhr
Der Wein, das Bier und die verdammte Liebe
Der besondere Liederschatz der Kesseltaler Sänger. Leitung: Dagmar Held und Christoph Lambertz.
Café Donau, Dorfstraße 24, Forheim • Mittwoch, 4. März 2026, 19.00 Uhr
Alte Lieder im neuen Gewand
Viele Lieder, die die Liadhaber interpretieren haben sie von alten Sängerinnen und Sängern gelernt – lustige Wirtshauslieder, tragische Balladen, Lieder vom Unterwegssein, von der Liebe und vom Abschiednehmen. In jedem steckt eine Geschichte, die im Konzert zum Klingen kommt.
Kulturstadl, Hauptstraße 13, Wörleschwang • Sonntag, 8. März 2026, 18.00 Uhr
28. Seminar für Saiten- und Holzblasinstrumente
Musizieren in kleinen Spielgruppen unter der Anleitung fachkundiger Referenten, nette Menschen treffen, als Höhepunkt im großen Orchester mitspielen und dabei Volksmusik als Ausdruck von Lebensfreude erfahren, das ist die Zielsetzung dieses Seminars. Ob Anfänger oder Könner, Erstklässler oder Senior, jeder ist willkommen und findet die passenden Mitspieler. Der Tagesablauf bietet sehr viel Unterrichtszeit, jeder Referent betreut das ganze Wochenende eine Gruppe. Eine Noten- und Instrumentenausstellung lädt zum Stöbern ein. Informationen: a.bayerl@t-online.de.
Volksschule Altenmarkt/Alz, Schulweg 15, Altenmarkt • 21.–22. Februar 2026
26. Seminar für Volksmusikforschung und -pflege
Nach siebenjähriger Unterbrechung ist es endlich wieder so weit: Das traditionsreiche Seminar für Volksmusikforschung und -pflege kehrt zurück! Eingeladen wird an die Universität Bamberg unter dem spannenden und hochaktuellen Titel Wem gehört Volksmusik? Im Mittelpunkt stehen aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen im Spiegel der Volksmusik – mit Fokus auf künstliche Intelligenz im Kontext traditioneller Musikformen, Rechtsradikalismus, Migration sowie Fragen kultureller Zugehörigkeit und Teilhabe. Neben Vorträgen und Diskussionen erwarten die Teilnehmer auch Praxisbeispiele und -seminare, die zur aktiven Auseinandersetzung einladen. Ob Wissenschaft, Musikpraxis oder Vermittlung, dieses Seminar bringt Akteurinnen und Akteure aus Forschung und Praxis zusammen. Leitung: Sebastian Gröller, Alois Schmelz und Jun.-Prof. Dr. Barbara Wittmann. Anmeldung und Informationen: heimat-bayern.de.
Universität Bamberg, Europäische Ethnologie U5, An der Universität 5, Bamberg • 20.– 22. Februar 2026
Oberbayerisches Jugendtreffen
Ob erste Tanzschritte oder besondere Tanzformen, ob mehrstimmige Jodler oder freche Gstanzl – das Jugendtreffen im Berghof in Agatharied ist das Richtige für alle, die einmal ein Wochenende lang mit anderen jungen Leuten singen, tanzen und natürlich bis zum Abwinken musizieren wollen. Mitmachen kann jeder zwischen 12 und 25 Jahren, der Spaß am gemeinsamen Singen, Musizieren und Tanzen hat. Auch Neueinsteiger, die in die bairische Musik hineinschnuppern wollen, sind herzlich willkommen.
Berghof Hofer, Berg 112, Agatharied • 20.–22. Februar 2026
»TanzFabrik«
An drei aufeinander aufbauenden Abenden werden fränkische Basistanzschritte, Grund-, Rund- und Figurentänze vermittelt, zudem Tänze aus anderen Ländern/Tanzstilen, die hier gerne getanzt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Leitung: Carolin Pruy-Popp, Martin Hick u. a. Anmeldung und Infos: KUFA Bamberg, +49 951 18972105, kufa@lebenshilfe-bamberg.de
KUFA Kulturfabrik – Kultur für Alle, Ohmstraße 3, Bamberg • Mittwoch, 14. Januar, 28. Januar und 11. Februar 2026, 19.00 – 21.00 Uhr
»Auf zum Frasee«
Zwei Kursabende zum Erlernen und Auffrischen von Française, Rheinländer, Galoppaden und anderen Gesellschaftstänzen für den Wiener Walzer Abend am 31. Januar 2026. Leitung: Franz Schötz.
Schützenhaus Straubing, Am Hagen 32, Straubing • Mittwoch, 20.Januar und 27. Januar 2026, 20.00 – 21.30 Uhr
»Offenes KUFA Singen«
Singen ist gesund, hält fit, bewegt die Emotionen und fördert Glücksgefühle. Kurzum: »Sing und es geht dir gut!« In Gemeinschaft singen verbindet und potenziert diese Eigenschaften. Vermittelt werden regionale und regional gewordene Lieder. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Singleitung: Carolin Pruy-Popp.
KUFA Kulturfabrik – Kultur für Alle, Ohmstraße 3, Bamberg • Mittwoch, 21. Januar 2026, 19.00 – 21.00 Uhr
Fortbildungstag für pädagogische Mitarbeiter
Kinder lieben es, sich zu bewegen, zu singen und zu tanzen. An diesem musikalisch-kreativen Tag wird gemeinsam im Dialekt gesungen, da dies im Alltag nicht mehr selbstverständlich ist. Vermittelt werden Lieder aus Franken sowie fränkische Basistanzschritte, Grund-, Rund- und Figurentänze – zudem Tänze aus anderen Ländern/Tanzstilen, die hier gerne von Kindern getanzt werden. Zudem kann Wissen über Lieder und Tänze und ihre Vermittlung erworben werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Leitung: Carolin Pruy-Popp. Anmeldung und Informationen: Kinderhaus Sonnenschein, sonnenschein@kinderhaus-arzberg.de.
Ev. Gemeindehaus, Pfarrhof 2, Marktredwitz • Dienstag, 27. Januar 2026, 9.00 – 16.00 Uhr
Bruder Straubinger lädt zum Tanz!
Ein nostalgisches Ballvergnügen in Anlehnung an die festlichen Faschingsbälle vor 100 Jahren. Das Straubinger Ballorchester lockt mit schwungvoller Tanzmusik aufs Parkett. Karten sind über ok-Ticket erhältlich.
Geiselhöringer Hof, Straubinger Str. 10, Geiselhöring • Samstag, 31. Januar 2026, 20.00 Uhr
Ausbildung zum Volkstanzleiter
Geübte Volkstänzerinnen und Volkstänzer mit Erfahrungen in internationalen und alpenländischen Volkstänzen werden bei diesem Kurs ausgebildet zum Volkstanzleiter. Herzlich willkommen, sind auch Lehrer, Erzieher, Leiter in der Jugendarbeit und alle, die Spaß am Tanzen haben. Die Grundschritte und Grundformen von Figurentänzen sollten beherrscht werden. Es werden keine Tänze erlernt. Die Methodik zum Vermitteln von Tänzen steht im Vordergrund. Die beiden Module bauen inhaltlich aufeinander auf. Nach Abschluss des zweiten Moduls findet eine praktische Prüfung statt. An der Prüfung kann man nur dann teilnehmen, wenn beide Module vollständig besucht wurden. Referenten: Veronika Schweikl, Reinhold Frank, Erika Koller und Mario Kanavc.
Volksmusikakademie in Bayern, Langgasse 7, Freyung • 23.–25. Januar 2026 | Trachtenkulturzentrum, Holzhausen 1, Geisenhausen/LA • 17.–19. April 2026
»Lust am Singa … ja, freilich!«
Ob Jung oder Alt, ob Groß oder Klein: Alle, die Spaß am Singen haben sind herzlich zum gemeinsamen Singen eingeladen. Der Singabend ist angeleitet – wichtig ist die Freude am Singen. Musikanten, die gerne zum Gesang aufspielen sind herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Singleitung: Carolin Pruy-Popp.
Pfarrstadl, Sickenreuther Str. 3a, Goldkronach • Donnerstag, 12. Februar 2026, 19.00 Uhr
Tanz in den Haas-Sälen
Freude an der Bewegung zur Musik steht im Mittelpunkt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Tänze werden vor Ort gezeigt. Tanzleitung: Carolin Pruy-Popp Musik: BoXgalopp. Anmeldung und Informationen: heimat-bayern.de.
Haas-Säle, Obere Sandstraße 7, Bamberg • Freitag, 20. Februar 2026, 20.00 Uhr
Konzertina-Kurs in Bad Berneck
Eingeladen sind alle, die das musikantische Spiel auf der Konzertina erlernen oder weiter vertiefen möchten. Ob Gruppenunterricht oder Einzelstunden – Andreas Riedel vermittelt bei vollem Engagement sein Können auf dem Instrument. Mietinstrumente können auf Wunsch zur Verfügung gestellt werden.
Beratungsstelle für Volksmusik in Franken, Bahnhofstr. 81, Bad Berneck
Kurs I: Mittwoch, 17. September, 1. Oktober, 29. Oktober 2025, 16.00 Uhr
Kurs II: Donnerstag, 25. September, 23. Oktober, 6. November 2025, 16.00 Uhr
Von niederbayerischen Landlergschwistern in München
Text: Rudolf Neumaier Fotos: Thomas Pfahler, Archive Gröller und Schmelz
Sebastian Gröller und Alois Schmelz teilen sich ein Büro. Sie haben ihre Schreibtische so eingerichtet, dass sie vis-à-vis sitzen. Beim Leiten einer Volksmusik-Abteilung gilt das Gleiche wie beim Musizieren selbst: Blickkontakt ist immer hilfreich. So bleibt man gemeinsam im Schwung.
Im September hat das Duo Gröller & Schmelz beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege angefangen. Als erste Doppelspitze in der Geschichte des bald 125 Jahre alten Landesvereins. Ihnen deswegen gleich einträchtigste Brüderlichkeit anzudichten, wäre übertrieben, auch wenn sie beide aus Niederbayern und von der eher blechernen Volksmusik stammen und sich gemeinsam beworben haben, um dieses bedeutende Amt, das sie sich als Doppelspitze teilen. Gröller, Jahrgang 1993, kommt aus Arnbruck im Landkreis Regen, der 24 Jahre ältere Schmelz aus Malching im Rottal.
Gschwister
Dennoch ist verbrieft, dass es sich bei den beiden Herren um Geschwister handelt: Beide gehören der Münchner Musikgruppe G.Rag und die Landlergschwister an. Schmelz war schon bei der Gründung vor genau 20 Jahren dabei, Gröller kam in der Corona-Zeit dazu.
Diese Landlergschwister sind eine außergewöhnliche Truppe in der Volksmusik-Szene. »Ich würde es auch eher als offenes sozialintegratives Musikprojekt bezeichnen«, sagt Alois Schmelz. Eine verwandtschaftliche Beziehung gibt es: Die Klarinettistin Birgit Schmelz ist Alois’ Cousine. Ansonsten geht es so familiär, gemütlich und stressfrei zu, wie es eben läuft, wenn sich Leute treffen, um die angenehmsten Stunden ihres Lebens miteinander zu verbringen.
Die Formation entstand bei einer Public-Viewing-Veranstaltung in München: Für die Fernsehserie München 7 hatten Schmelz und Andreas Staebler, ein musikalischer Alternativ-Universalist aus Sendling mit dem Künstlernamen G.Rag, den Soundtrack komponiert und zu einem Filmabend ins Kilombo geladen, seinerzeit in der Münchner Au. Es trafen an diesem Abend ein paar Bläser und ein Gitarrist aufeinander und spielten.
Von da an wuchs die Besetzung um ein Banjo, zwei Schlagzeuger, mehrere Klarinetten und Trompeten sowie tieferes Blechgebläse. Wobei als Schlagzeug alle möglichen Schepper-Utensilien herhalten, gern auch mal Aschenbecher-Röhren, wie sie vor Gaststätten und Hotels herumstehen. Man mag kaum glauben, wie fein ein solcher Aschenbecher zum Zwiefachen Arschloch von Leinsiedl klingen kann, wenn er mit Drumsticks behandelt wird.
Eine beachtliche Anhängerschaft hat sich in und um München gebildet. Hier traten die G.Rag und die Landlergschwister seit 2010 auf dem Oktoberfest im Herzkasperlzelt auf und spielten Frühschoppen im Fraunhofer. Da es in diesem Jahr kein Herzkasperlzelt gab, weil der legendäre Wirt Beppi Bachmaier das Zelt nicht bekam, pausierten sie.
Gefragt sind sie inzwischen aber über Bayern hinaus. Die Gage bei ihren bis zu 20 Konzerten pro Jahr liegt irgendwo zwischen drei Ster Holz und 10.000 Euro, dann mit voller Kapelle. Mit zehn bis 17 Mitgliedern kreuzen die Landlergschwister auf – je nach Verfügbarkeit bei anstehenden Auftritten. Viele von ihnen haben als Musiker und in ganz anderen Professionen ja die unterschiedlichsten Verpflichtungen. Zum Beispiel Micha Acher als Teil des Indie-Rock-Projekts The Notwist. Oder Sebastian Meier als Instrumentenbauer und Oberpfälzer Öko-Landwirt. Oder Evi Keglmaier als Komponistin und Zwirbldirn-Mitglied.
»… die große verbindende Kraft der Musik.«
Mutterschiff
Wie es sich für gute Gschwister gehört, gibt es einen Elternteil, das sie besonders verbindet. »Unser Mutterschiff ist das Label Gutfeeling«, sagt Alois Schmelz. Dieser Musikverlag, der im Plattenladen in der Münchner Maistraße 1 beheimatet ist, hat unter seinen circa 80 Veröffentlichungen auch alle sieben Platten von G.Rag und den Landlergschwistern herausgebracht, die neueste erschien Anfang Oktober. Sie heißt Ins Freie. Wie immer wechselt sich auch auf diesem Tonträger Bayerisches mit Internationalem ab: Auf Pretiosen wie den Durl-Schottisch folgt eine Cover-Version von Close To Me der britischen Wave-Band The Cure. Dem Zwiefachen Wespennest, bekannt durch Blaskapelle Josef Pfeffer, lassen die Landlergschwister Stücke wie Koyato aus Trinidad und Sereia Do Mar von Camarao aus Brasilien folgen. International sind sie sowieso mit allen möglichen Musikern verbandelt – bis nach Japan, Südafrika und Auckland in Neuseeland, wo sie mit dem Blues- und Folkmusiker Delaney Davidson befreundet sind. Mit Künstlern wie ihm treffen sie regelmäßig bei der Alien Disko zusammen, einem sagenumwobenen Festival im Münchner Volkstheater.
Bei dieser Alien Disko findet sich ein sehr bunter Haufen Menschen ein, die sich für Musik aus der ganzen Welt begeistern, die so ziemlich alles sein kann. Alles außer kommerzieller Mainstream. Wer die Radio-Sendung Zündfunk auf Bayern 2 kennt: So wie der Zündfunk gemacht ist, so muss man sich das Publikum vorstellen. Ein bisschen Subkultur, ein bisschen experimentell, fast immer nüchtern. Und in diesem Aufgebot an Bands spielen die Landlergschwister den bayerischen Part: traditionell genug, dass es sich eindeutig nach bayerischer Volksmusik anhört, und gleichzeitig lustvoll mit Einflüssen aller Art spielend – von der Neuen Deutschen Welle über Elektro bis zum gepflegten Dixie-Dudeln.
Die Landlergschwister im und vorm Fraunhofer.
Foto: Thomas Pfahler oder Archive Gröller und Schmelz
Klangschätze
Manche Stücke komponieren Mitglieder der Geschwistergemeinschaft selbst. Oder sie graben aus irgendwelchen Archiven verborgene Schätze aus und arrangieren sie neu für ihre Besetzung. Schmelz zum Beispiel fand im Valentin-Musäum einen untergegangenen Landler und möbelte ihn für die neue CD Ins Freie wieder auf. Und Sebastian Gröller durfte schon eigene Nummern schreiben, obwohl er noch vergleichsweise frisch dabei ist. Die Biermösl Blosn – drei echte Brüder übrigens – hat den bayerischen Klangschatz einst übers politische Kabarett in intellektuelle Kreise befördert. Die Landlergschwister spielen sich mit ihrer puren Lust an der Musik in Hipster-Herzen.
»Wir machen, was uns Spaß macht. Und das durch und durch basisdemokratisch. Wie halt Musik im besten Fall sein soll«, sagt Alois Schmelz. So schaffen sie es, dass ihrem Auditorium bei Walzern, Schottischen und Zwiefachen wahre Erweckungserlebnisse widerfahren. Womit wieder mal bewiesen wäre, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie Volksmusik grooven kann.
Hochoffiziell
Jetzt sind zwei Landlergschwister ganz offiziell für die bayerische Volksmusikpflege zuständig. Das Engagement fing damit an, dass Alois Schmelz im November 2022 mit seiner Frau Sabine ins Wirtshaus ging. Wenn sie zu ihm heimfahren nach Malching, schauen sie immer beim Wirt z’ Graming am Stadtrand von Altötting vorbei. Da setzte sich ein Mitarbeiter des Landesvereins an ihren Tisch und redete ihn an: »Du bist doch der mit dem Flügelhorn von den Landlergschwistern.« – »Ja.« – »Beim Landesverein ist eine Stelle in der Volksmusik frei. Abteilungsleitung. Da sind jetzt Interessenten gesucht.« Das verfing.
Alois Schmelz war Oberstudienrat für Mathematik und Physik an einem städtischen Gymnasium in München. Er wollte zur Hälfte Lehrer bleiben und zur Hälfte für den Landesverein arbeiten. Also suchte er sich einen Partner. Aber er suchte nicht lang. Ein paar Wochen später bei einer Landlergschwister-Probe fragte er den jüngeren Kollegen Sebastian Gröller: »Sag mal, könntst du dir vorstellen, dass wir miteinander arbeiten?« So ging das an. Wie wichtig es Schmelz ist, sich für die Heimatpflege zu engagieren, belegt seine mutige Entscheidung, seinen sicheren Beamtenstatus zu quittieren.
Die neuen Volksmusik-Chefs beim Landesverein teilen sich ihre Stelle. Nebenbei werden die beiden studieren: Gröller hat sich an der Musikhochschule für ein Tuba-Studium qualifiziert, Schmelz hat sich an der Ludwig-Maximilians-Universität für Musikwissenschaft eingeschrieben.
»Eine Brücke zwischen Vergangenheit
und Gegenwart.«
Heimatpfleger
Bei aller Begeisterung für neue und andere Musikrichtungen ist sowohl Gröller als auch Schmelz bewusst, dass sie jetzt für bayerische Volksmusik zuständig sind, wie sie überliefert ist. Dabei verstehen sie sich als Heimatpfleger, die sich der guten alten Landesvereins-Devise Erhalten und gestalten verschrieben haben. »Für mich ist der Landesverein eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart«, sagt Sebastian Gröller, »er hält Traditionen und Bräuche am Leben und vermittelt sie weiter, damit sie auch in einer globalisierten Welt Platz finden.«
Volksmusik erlebte und lernte er von Kind auf von seinem Vater, der jeden Mittwochabend mit seinem Viergesang in der Stubn probte. »Ich saß oft einfach daneben und habe gelauscht. Auch meine beiden älteren Brüder haben schon musiziert, da konnte ich noch nicht mal eine Trompete halten. Mit Zither und Steirischer haben die beiden mich dann begeistert und dann hat’s nicht mehr lang gedauert, bis ich mir ebenfalls ein paar Instrumente aneignen durfte.« Nach der Schule studierte er Trompete und erwarb einen Bachelor-Abschluss. Und zum Trompeten-Zeugnis soll jetzt eben auch das Tuba-Diplom kommen. Mit seinen Brüdern spielt er heute noch – wenn er mal wieder heimkommt ins Zellertal.
Alois Schmelz’ musikalische Anfänge hängen unmittelbar mit dem Gründergeist von vier Malchingern zusammen, die sich im Jahr 1979 einbildeten, dass sie jetzt eine Blaskapelle gründen. Alle verfügbaren Kräfte wurden rekrutiert – auch der zehnjährige Alois, der weder Noten lesen konnte noch einen Ton aus der Trompete brachte. Ein Instrument schenkten sie ihm, der Ansatz kam mit ein bisschen Üben von selbst. Dann platzierten sie so, dass er Blickkontakt zur Kapelle hatte und sie zu ihm – mit dem Rücken zum Auditorium. Und so spielte der Bub bald das ganze Repertoire mit. Ohne Noten. So wie andere singen, so spielte er seine Trompete. Das Notenlesen kam später dazu. Das Komponieren und das Arrangieren auch.
Der Mathe-Lehrer Schmelz blieb nachmittags gern in der Schule. Er wollte den Kindern und Jugendlichen weitergeben, was er selbst in diesem Alter erlebt hatte: die große verbindende Kraft der Musik. Dieses Weitergeben des Feuers – das ist das gemeinsame Ziel der Doppelspitze im zweiten Stock des Gartenhauses an der Ludwigstraße. Dort arbeiten sie sich ein in ihren neuen Wirkungskreis, von Angesicht zu Angesicht. In ihren ersten Interviews ließen sie verlauten, wie wichtig ihnen Nachwuchsarbeit sei. »Wir haben Glück, dass wir da nicht ganz von vorn anfangen müssen«, sagt Sebastian Gröller, »weil sich da beim Landesverein schon immer viel getan hat. Darauf bauen wir auf.«
Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V.
Kontakt beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege e.V.:
Alois Schmelz und Sebastian Gröller
+49 89 28662915
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