Text: Ernst Schusser
Der 1915 in Bergen geborene und ab den 1960er-Jahren in Frasdorf auf dem Stelzenberg ansässige Wastl Fanderl (gest. 1991) ist der wichtigste Impulsgeber für die oberbayerische Volksmusik (und darüber hinaus) in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Über diese Persönlichkeit, seine Zeit, seine Zeitgenossen und sein Wirken und Nachwirken handelt die neue Ausstellung der Volksmusikpflege im Landkreis Rosenheim in Schloss Hartmannsberg (Markt Bad Endorf) bzw. Bergen.
Wastl Fanderl lässt sich in seiner Vielfalt an volksmusikalischen Tätigkeiten am besten mit Stichpunkten beschreiben: Sammler • Liedermacher • Singwochengestalter • Herausgeber der Sänger- und Musikantenzeitung ab 1958 • Autor • Organisator und Moderator von Veranstaltungen • Sendungen im Rundfunk • Studioaufnahmen von Liedern und Musik für Hörfunk und Schallplatte • Fernsehreihe Baierisches Bilder- und Notenbüchl • Bayrisches Liederstandl • Singstunden in den Dörfern • Erster Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern • usw.
Die Ausstellung greift in vielfacher Weise die früheren Erkenntnisse und Arbeiten zu diesem Thema aus den 1980er- und 1990er-Jahren auf und will diese Ergebnisse um aktuelle und lokale/regionale Inhalte ergänzen und zur Diskussion stellen. Interessant ist die regionale Wirkung dieser überregional im deutschsprachigen Raum durch regelmäßige Medienpräsenz (Funk, Fernsehen, Schallplatte) vertretenen Persönlichkeit. Auch geht es um die Schaffung einer bewussten Erinnerungskultur, die auf der Grundlage der Volksmusikpflege der 1930er- bis 1980er-Jahre in den verschiedenen Generationen bis heute eigene Aktivitäten hervorbringt. Zudem sollen auch die Person und ihre Haltung in der Zeit von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit betrachtet werden.
Die Ausstellung lebt vom Engagement und den Leihgaben der Privatleute und Institutionen, die ihre Schätze und Materialien zur Verfügung stellen, besonders auch von unserer eigenen Sammlung, Forschung und langjährigen Begegnung mit Wastl Fanderl. Er gab wesentliche neue Impulse für die traditionelle Volksliedpflege und wollte mit der breitgefächerten Pflege von überlieferten und neugestalteten Volksliedern – teils überregional in den Medien verbreitet, teils lokal in praktischen Singabenden/Singwochen eingeübt – auch die dörflichen und sozialen Gemeinschaften fördern (z. B. in der Region Rosenheim).
Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. An jedem Öffnungstag werden Gesprächskreise, Führungen und Begleitveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen angeboten, die auch von der Nachhaltigkeit und der Innovationskraft des Wirkens von Fanderl künden. Natürlich werden auch viele Fanderl-Lieder miteinander gesungen – auch Gesangsgruppen sind eingeladen, diese in der Ausstellung vorzutragen.
Begleitveranstaltungen in Hartmannsberg
Schloss Hartmannsberg, Hartmannsberg 8, Bad Endorf
Sonntag, 3. Mai 2026
11.00 Arbeitskreis zum Thema Die Sammlung von Wastl Fanderl seit den 1930er-Jahren
13.00 –18.00 Ausstellung geöffnet
14.00 Allgemeine Führung
15.30 »He, Bäurin, is denn gar neamd z’Haus« – Wastl Fanderl und sein Geburtsort Bergen: Sänger und ihre Lieder in den 1930er-Jahren, die 1. Singwoche 1936/1937
18.00 Vorführung von drei Filmen aus der ARD-Reihe Baierisches Bilder- und Notenbüchl aufgeschlagen von Wastl Fanderl: Volksmusik in Berchtesgaden (11.1.1964), Rosenheim am Inn (13. 3.1971) und Frasdorf, Aschau, Inntal (26.1.1975)
Sonntag, 10. Mai 2026
11.00 Arbeitskreis: Wastl Fanderl als Rundfunkmacher – vom Reichssender München bis zum BR
13.00 –18.00 Ausstellung geöffnet
14.00 Allgemeine Führung
15.30 »Hans, was tuast denn du da?« – Wastl Fanderl und die Kinderlieder – Vom Kinderpreissingen 1936 bis zum Bezirks-Volksmusikpfleger (1973–1981)
Mittwoch, 13. Mai 2026
18.00 –19.00 Ausstellung geöffnet
19.00 »Übern See ko i net umischwimma« – Beim beliebten Abend Singen am See erklingen viele Fanderl-Lieder im freien und gemeinsamen Volksgesang
Sonntag, 17. Mai 2026
11.00 Arbeitskreis: Wastl Fanderl als Bezirks-Volksmusikpfleger und Anreger vom Volksmusikarchiv
13.00 –18.00 Ausstellung geöffnet
14.00 Allgemeine Führung
15.30 »Bin a lustiga Bua, kreizlustig vostehst« – Leben und Wirken von Wastl Fanderl von Bergen bis zum Stelzenberg/Frasdorf – Gewährspersonen und Biographen
Donnerstag, 21. Mai 2026
14.00 –15.30 Ausstellung geöffnet
14.30 Führung für VVV, dann Singen am See
Pfingstmontag, 25. Mai 2026
13.00 –18.00 Ausstellung geöffnet
14.00 Allgemeine Führung
15.30 »Hirankl Horankl« – Das erste eigenständige Liederbuch von Wast Fanderl, herausgegeben 1943
Sonntag, 31. Mai 2026
11.00 Arbeitskreis zum Thema Von der Schneeberg-Dreistimmigkeit zu den Wastl Fanderl-Liederbögen (1930 / 1943 / 1946 / 1950er-Jahre ff)
13.00 –18.00 Ausstellung geöffnet
14.00 Allgemeine Führung
15.30 »Das Schifflein schwingt sich dani …« – Mit gemeinsamem Singen und Musizieren, Erinnern und Erzählen vom neuen Lebensgefühl mit dem Fanderl-Strick beenden wir die Ausstellung. Gruppen und Erzähler bitte anmelden!
Begleitveranstaltungen in Bergen/Chiemgau
Tourist-Info, Raiffeisenplatz 4, Bergen
Ausstellungsöffnung: 7. Juni bis 7. Juli 2026,
Mo–Fr 8.00 –12.00 Uhr, Mo–Do 13.30 –17.00 Uhr
Sonntag, 7. Juni 2026
11.00 Eröffnung der Ausstellung mit Vertretern der Gemeinde und Gästen. Kurze Einführung durch Ernst Schusser und Ortsheimatpfleger Kristian Krammer, mit Lied und Musik
Donnerstag, 11. Juni 2026
18.00 Führung mit Ernst Schusser und Kristian Krammer
19.00 »Wastl Fanderl und seine Lieder« – gemeinsames Singen mit Eva Bruckner
Montag, 15. Juni 2026
18.00 Führung mit Ernst Schusser und Kristian Krammer
19.00 Vorführung von drei Filmen der ARD-Reihe Baierisches Bilder- und Notenbüchl aufgeschlagen von Wastl Fanderl: 1. Sendung der neuen Reihe (2. 2.1963), Hochfelln, Ruhpolding, Bergen (1.11.1974) und Balladen, u. a. Tannhauser (11.11.1979)
Donnerstag, 18. Juni 2026
18.00 Führung mit Ernst Schusser und Kristian Krammer
19.00 Öffentliche Probe Singkreis Bergen
Montag/Dienstag, 22./23. Juni 2026






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