Musik-Archive im Gespräch

Netzwerk für institutionelle Musiksammlungen formiert sich

22. Juli 2026

Lesezeit: 3 Minute(n)

Text: Roman Tischberger
Fotos: Institut für Volkskunde der Kommission für ­bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen ­Akademie der Wissenschaften

Musik im Allgemeinen und Volksmusik im Speziellen wird nicht nur gespielt, gesungen und aufgeführt, sondern wurde und wird auch von Fachstellen und wissenschaftlichen Institutionen gesammelt. Als besondere, künstlerische Ausdrucksform von Kultur sind musikalische Ton- und Videoaufzeichnungen, handschriftliche und gedruckte Noten, Liedtexte und Notenbücher, aber auch Tanznotationen oder Instrumente wesentliche Dokumente für Forschungen volkskundlicher Kultur- und Musikwissenschaft.

Die Formen populärer Musik werden seit über 100 Jahren an vielen Institutionen systematisch dokumentiert, etwa am Deutschen Volksliedarchiv, heute Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM) in Freiburg i. Br. oder auch im Institut für Volkskunde (IfV) in München. Beide Häuser richteten gemeinsam am 12. März 2026 den Online-Workshop Volksliedarchive und musikethnologische Sammlungen in der Gegenwart aus, der die zahlreichen Forschungsstellen aus dem deutschsprachigen Raum vernetzte und die Gelegenheit bot, aktuelle Themen zu diskutieren.

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Wachswalze mit Tonaufnahme aus dem Nachlass von Kurt Huber (1893–1943), um 1930

Gemeinsame Herausforderungen

Insgesamt kamen 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, von Universitäten in Greifswald und Köln, kulturwissenschaftlichen Landesstellen in Münster und Stuttgart bis zu Museen wie dem Musikautomatenmuseum Bruchsal und dem Stadtmuseum München. Auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus Bayern, unter dem Dach des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege sowie der Regierungsbezirke mit ihren Volksmusikeinrichtungen, nahmen teil.

Sie alle verantworten unterschiedliche Sammlungen zu populärer Musik, forschen mit Archivalien und stellen sie der Öffentlichkeit zur Verfügung, etwa in Datenbanken, Büchern oder Ausstellungen. Und doch sind, trotz der unterschiedlichen regionalen und auch inhaltlichen Schwerpunkte, die jeweiligen Herausforderungen häufig ähnlich. Darüber ins Gespräch zu kommen, Gemeinsamkeiten zu identifizieren, bewährte Methoden auszutauschen und sich als potenzielles Netzwerk kennenzulernen war das Ziel des Online-Workshops.

»Digitalisierung und Nutzbarmachung sind zentrale Themen.«

Einband und Detail aus der handschriftlichen Liedersammlung von Alois Weih (1773–1829), 1808

Tücken stecken im Detail

Im Austausch zeigte sich: Digitalisierung und Nutzbarmachung des gesammelten Materials sind nach wie vor zentrale Themen. Denn hinter der vermeintlich einfachen Vorstellung, alles problemlos in Datenbanken und Onlineportalen abbilden zu können, stecken feine Eigenheiten der jeweiligen Bestandsgruppen sowie Detailfragen, die nur schwer in standardisierte Lösungen eingepasst werden können. Dennoch: Die gewonnenen Einblicke in fortgeschrittene Lösungen, wie der legamus-Datenbank der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik oder die Volksmusikdatenbank des Österreichischen Volksliedwerkes zeigen die Möglichkeiten auf.

Kritische Fragen wurden an die eigenen Bestände gestellt: Wie mit archivierten Kopien anderer Institutionen umgehen, mit kaum dokumentierten Erwerbungs- und Sammlungsvorgängen oder problematischen Inhalten? Auch die Themen Sichtbarkeit und Transfer in die Öffentlichkeit wurden in vielen Beiträgen und Projektberichten angesprochen: Wie können die oft historisch und regional bedeutsamen Liedaufzeichnungen, Noten oder Nachlässe über bekannte Formate hinaus genutzt werden, um Mehrwert und Aufmerksamkeit zu schaffen?

Der Workshop offenbarte den weiteren Wunsch nach einem Überblick der institutionellen Musiksammlungen und Forschungsstellen im deutschsprachigen Raum und ihrer Vernetzung, jenseits von allzu engen Disziplingrenzen. Ein Folgetreffen für das Fachpublikum wird in der ersten Jahreshälfte 2027 in Freiburg stattfinden, die Beitragsausschreibung und Anmeldung wird im Spätsommer 2026 u. a. über die Abteilung Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e.V. bekannt gegeben.

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Aufmacher:
Tanzmelodien-Kartei von Felix Hörburger (1916–1997)

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